Teil eines Werkes 
2. Theil (1856)
Entstehung
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dicht unter ihrem Fenſter zu hören glaubten. Sie lauſchten; da aber Alles ſtill blieb, ſetzten ſie ihre Unterhaltung fort. Gleich darauf vernahmen ſie dicht unter dem Fenſter die Töne einer Guitarre. Emma ließ ihre Nätherei aus der Hand fal⸗ len— ſie glaubte Eduards Guitarre zu hören; als ſie dieſe Vermuthung aber gegen Julie ausſprach, behauptete dieſe da⸗ gegen, daß der Spieler kein anderer, als der Lieutenant P' ſei.

Nach einem geſchmackvollen, wohllautenden Vorſpiele begann eine ſchöne weiche Männerſtimme zu ſingen. Iulie überzeugte ſich, daß Richard Per nicht der Sänger war, aber Emma ward abwechſelnd roth und blaß, denn wer anders als Eduard

konnte ſo ſingen?—„Er iſt es,“— rief ſie—„er iſt es gewiß, ſo ſingt kein Anderer außer ihm.“—„Du biſt när⸗ riſch,“— erwiederte Julie—„der Graf hat ja vorgeſtern erſt einen Brief von Stockholm geſchrieben, und Du willſt behaupten, daß er jetzt hier iſt und ſingt?—„Sage was Du willſt,— entgegnete Emma—„er iſt es oder ich träume.“—„Nun, dann gewiß das letztere,“— verſetzte

Julie—„aber ſchweig jetzt, man kann vor Deinem Geſchwätze kein Wort von dem Liede hören.“—

Die Stimme hatte eine kleine deutſche Romanze geſungen, deren Worte die Mädchen nicht gehört hatten; indem ſie aber jetzt ſtill ſaßen und lauſchten, ging die Muſik in eine andere Tonart über. Die Mädchen ſchlichen auf den Fußſpitzen ans Fenſter und ſahen hinter den Vorhängen hinaus; aber die Nacht war rabenſchwarz, ſie konnten keine Spur von dem Sänger erblicken. Still und kaum athmend blieben ſie am Fenſter ſtehen, während die Stimme nach einer ſehr wohlklin⸗ genden Melodie eine Ballade ſang, welche die Liebe und den Abſchied zweier Liebenden, die Untreue des Mädchens, den Kampf des Jünglings mit ſeinem Nebenbuhler, den Tod Beider und die Verzweiflung des Mädchens ziemlich weitläuftig ſchil⸗ derte.