Teil eines Werkes 
2. Theil (1856)
Entstehung
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Tante Gertrud ſchnaubte wie eine Katze darüber, daß ſich die Welt völlig umgewendet habe. Man könne nicht mehr an⸗ ſtändig gekleidet in eine Geſellſchaft kommen— meinte ſie— ſondern müſſe wie ein Geſpenſt mit einer Larve kommen.— „Nein, ich danke,“— ſetzte ſie hinzu—„ich gehe nicht mit.“

Der grobe Inſpector äußerte, wenn er nicht in ſeinen ei⸗ genen Kleidern kommen dürfe, ſondern ſich fremde borgen ſollte, ſo wolle er lieber ganz und gar vom Feſte wegbleiben;— „denn“— ſetzte er hinzu—„ich bin Zeit meines Lebens kein Narr geweſen und gedenke nicht, in meinen alten Tagen ein ſolcher zu werden.— Der Hofgerichtsrath dagegen, ein ſtets heiterer Mann, verſprach ſich viel Vergnügen von dieſer Feſtlichkeit und erſann ſich ſogleich eine Charakterrolle, durch welche er die Geſellſchaft ergötzen könnte. Die Hofgerichtsrä⸗ thin freute ſich über die Freude der Mädchen; Emma vergaß für einen Augenblick ihren Kummer, Julie hüpfte vor Entzücken. Es war Montag und ſchon am folgenden Morgen unternahm man eine Reiſe nach Norrköping, um Koſtüm und ſonſtigen Bedarf für die beiden feſtlichen Tage einzukaufen.

Die Nacht vom Freitag zum Sonnabend war angebrochen. Da die Mädchen ihre Anzüge noch nicht fertig gemacht hatten, ſo ſaßen ſie am Abend, nachdem alle Uebrigen ſchon zur Ruhe gegangen waren, noch allein und nähten fleißig. Sogleich bei der Ankunft der Stockholmer Gäſte waren auf Emma's und Juliens vereinte Bitten beide Mädchen zuſammen in Emma’s Stube gebettet und einquartiert worden. An jedem Abend wurde ein kleines Feldbett für Julie in die Stube getragen. Auch jetzt ſtanden die beiden netten Bettchen bereit und war⸗ teten ſo weiß, elaſtiſch und einladend auf die beiden jungen Mädchen; allein dieſe ſchienen ihnen noch lange den Rücken

kehren zu wollen. Sie ſprachen lebhaft über die beiden kom⸗

menden Feſttage und ſuchten zu errathen, wie ſich Fridolf und Richard maskiren würden, als ſie plötzlich Schritte im Park

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