Teil eines Werkes 
2. Theil (1856)
Entstehung
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ſchlimmen Auftritte, welche entſtehen werden, wenn ſie erfährt, daß ihre Tochter einen armen Lieutenant liebt.“—

Das Verhältniß Emma's zu ihrer Couſine geſtaltete ſich nun ganz anders, als früher. Julie war mit jedem Tage ernſter und geſetzter, und Emma behandelte ſie nicht mehr wie ein Kind, ſondern wie eine vertraute Freundin von gleichem Alter. Tauſend Mal des Tages ſprach Julie gegen Emma von Richard von P'’s, aber in ſeiner Gegenwart war ſie eher ſtill, als geſprächig. Doch verſtand ſie nicht, daß das Gefühl, welches ſie für ihn hegte, Liebe war. Allein Emma's Gewiſſen erlaubte ihr nicht länger zu ſchweigen; ſie mußte ihre Freundin auf die Gefahr aufmerkſam machen, in deren Abgrund ſie zu ſtürzen drohte. Aber vergebens. Julie ver⸗ mochte eben ſo wenig, wie Emma ſelbſt, das gefährliche Bild aus ihrem Herzen zu reißen; ſo oft ſie ihre Mutter von ih⸗ ren Hoffnungen, daß ihre Julie einſt eine glänzende Parthie machen würde, ſprechen hörte, kam ſie zu Emma und warf ſich weinend in deren Arme. Wie aufrichtig ſprach dann das unverdorbene natürliche Mädchen Alles aus, was in ihrem Herzen vorging. Und dieſes ſchrankenloſe Vertrauen mußte vergolten werden. Bald war Julie in das Geheimniß ihrer Freundin eingeweiht, und lange lange Stunden eines getheilten Schmerzes verfloſſen den beiden Mädchen gleich beſchwingten Minuten.

Länger als vierzehn Tage hatte ſich die Familie Ler ſchon in Ber aufgehalten, als ſie aus dem Pfarrhauſe eine Einla⸗ dungskarte für den nächſten Sonntag erhielt. Es war der Tag von Guſtava's erſtem Aufgebot, den der Pfarrer feſtlich zu begehen beabſichtigte. Julie war ungemein heiter; ſie hatte ſchon bei allen benachbarten Familien Beſuche gemacht, nir⸗ gends aber ſich ſo wohl befunden, als im Pfarrhauſe, in wel⸗

chem ſie faſt täglich mit Emma ein Stündchen zubrachte. Be⸗

ſondere Freundſchaft faßte ſie zu Jenny, die ihrerſeits ſich,