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begriff nicht, wie ſich ihre Freundin in wenigen Monaten ſo auffallend hatte verändern können. Sie war bedeutend gewachſen, ihre Geſtalt— bei Emma's Abreiſe noch dürftig und kindlich— hatte Fülle und Rundung gewonnen. Die Reiſe und das Bad hatten ihr eine friſche Farbe gegeben, die ihr ſehr wohl ſtand; ihre ſchönen lebhaften Augen hatten ei⸗ nen gewiſſen ſchmachtenden Ausdruck bekommen. Emma hatte ſtets Juliens ſchönes blondes Haar und ihre ungemein feine und weiße Haut bewundert, im Uebrigen aber ſie wegen ihrer Bläſſe und matten Augen nicht beſonders hübſch gefunden. Dieß letztere war nun verſchwunden und Emma konnte ſich nicht abläugnen, daß Julie in ihrem ſiebzehnten Jahre eine vollkommene Schönheit werden müſſe. Sie eilte, dieſe Ent⸗ deckung ihrer Tante mitzutheilen, deren mütterlicher Stolz ſich dadurch nicht wenig geſchmeichelt fühlte.
—„Ja, meine ſüße Emma,“— ſprach ſie—„ich glaube ſelbſt, daß das Mädchen mit jedem Tage beſſer herauswachſen wird. Für den nächſten Winter wird es ſehr ſtill in unſerm Hauſe ſein, denn meine Julie ſoll noch Unterricht nehmen— aber im folgenden Winter ſoll es anders werden. Wir be⸗ abſichtigen, dann mehr Leute bei uns zu ſehen und in die Amaranthe und Innocence“) einzutreten; denn Julie wird um dieſe Zeit ſiebzehn Jahr, und in dieſem Alter iſt es Zeit, in die Welt eingeführt zu werden. Ich hoffe ſie einmal gut verheirathet zu ſehen.“—
Emma ging ſchnell von ihrer Tante, um die Unruhe zu verbergen, die bei dem Gedanken an die Zukunft der jetzt ſo glücklichen, unſchuldig⸗fröhlichen Freundin in ihr aufſtieg.— „Ach,“— ſeufzte ſie—„ich weiß ſchon, was Tante Ulla mit„gut verheirathet“ meint; ich ſehe ſchon im Voraus die
*) Zwei der vornehmſten Zirkel Stockholms. Anm. d. Ueberſ.
Emma's Herz. II. 10


