VII. Das Ständchen.
Emma blieb geſund, aber die Roſen der Freude kehrten nicht auf ihre ſchönen feinen Wangen zurück, obwohl ihr Vater ungewöhnllch freundlich gegen ſie war und durch verdoppelte Zärtlichkeit gegen ſie den Eindruck ſeiner früheren Härte aus⸗ zutilgen ſuchte.
Der Umgang zwiſchen der Rosmanſſchen und Hilbert'ſchen Familie dauerte ununterbrochen fort; allein Emma fing all⸗ mählig an, ihre früher ſo langen und wiederholten Beſuche im Pfarrhauſe freiwillig zu beſchränken. Als nämlich Wil⸗
helm den Ausgang des Verlobungsfeſtes erfahren hatte und
nun Emma's Abſcheu vor einer Verbindung mit Fridolf kannte, faßte er wieder Hoffnung, ihre Liebe zu gewinnen, und ver⸗ doppelte deßhalb ſeine Bewerbung um ſie. Die brennenden Blicke, die klagenden Seufzer, die fortwährende Ausdauer, womit er ſich bei jeder Gelegenheit in ihre Nähe drängte, waren ihr peinlich; und da ſie keine Neigung in ſich fühlte, ſeine zärtliche Flamme zu erwiedern, ſo zog ſie ſich zeitig zu⸗ rück, um nicht wiſſentlich falſche Hoffnungen in ihm zu nähren.
Fridolf ſah nun die Unmöglichkeit, Emma's Liebe jemals zu gewinnen, ein; er verzehrte ſich in ſtillem Kummer und wurde mit jedem Tage düſterer und unzugänglicher gegen die
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