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„Liebes Kind,“— wandte er ſich dann an Emma— „ſuche Deinen Vater zu beſänftigen und verlaß Dich im Uebri⸗ gen auf mich. Ich werde Dich vor Gewalt ſchützen.“—
Der Graf kannte den redlichen Pfarrer zu gut, um ſich ihm weiter zu widerſetzen; vielleicht erwachte auch ein mit⸗ leidiges Gefühl in ſeiner Bruſt— da Emma, deren ſchwaches Nervenſyſtem dieſe Erſchütterung nicht länger zu ertragen ver⸗ mochte, in ein konvulſiviſches Weinen und in ſpasmodiſche Krämpfe verfiel, ſo daß ſie aus dem Garten getragen werden mußte. Der alte Hilbert brummte zwar noch leiſe, aber des Pfarrers Zureden brachte ihn bald zum Schweigen und er nahm ihm das Verſprechen ab, dem armen Mädchen Friſt zu gönnen, ſich wo möglich mit der Zeit in die Nothwendigkeit dieſer Verbindung zu finden. Hierauf entfernte ſich der Pfar⸗ rer eilig mit ſeinen noch übrigen Angehörigen, und bald darauf zerſtreute ſich die ganze Geſellſchaft, um der bekümmerten In⸗ ſpectorin Muße zu verſchaffen, ihre kranke Tochter zu warten.
So trübe und düſter endigte gegen Aller Erwarten der Jakobstag, der ſonſt ſtets ſo heiter und fröhlich verbracht worden war.
Mehrere Tage lang blieb Emma in einem Zuſtande, der Alles für ihr Leben fürchten ließ; die arme Mutter und Tante Gertrud waren untröſtlich. Frau Hilbert verging faſt in Thränen, ſie kniete fortwährend am Bette ihrer kranken Tochter und bat den Himmel, ihr das Leben des geliebten Kindes zu erhalten. Aber kein Vorwurf gegen den harten Mann, der all' dieſe Betrübniß veranlaßt hatte, kam über ihre Lippen. Allein Tante Gertrud, die darin weniger edel war, fand nun reiche Gelegenheit, ihre Neigung zum Schelten zu befriedigen, beſonders da Hilbert über die Krankheit ſeiner Tochter ſo er⸗ ſchrocken war, daß er ſeine despotiſche Laune gänzlich verloren hatte und ſich fromm und ſanft wie ein Lamm benahm. Der Arzt verbot ihm in den erſten Tagen der Krankheit Emma's


