Teil eines Werkes 
2. Theil (1856)
Entstehung
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zu verlieren fürchten mußte. Selbſt Fräulein Louiſe weigerte ſich, auf der Harfe Etwas vorzutragen, obwohl man ſie ſehr darum bat. Sie war gewiß die Einzige, welche durch Emma's Geſang nicht entzückt worden war.

„Nun, ſo will ich ſingen, wenn ich darf⸗— ſprach Eduard und griff nach ſeiner Guitarre.„Ich habe neulich eine kleine Romanze gelernt, die ich ziemlich hübſch finde.“— Er begann:

„Vergeſſen ſoll ich Dich!— Ich kann es nimmer, Nein, ewig, ewig denk' ich, Holde, Dein! O laß mir noch von Seligkeit den Schimmer, Denn wahrhaft glücklich kann ich nie mehr ſein. Nur Phantaſie allein und Liebe tragen Noch durch des Lebens Finſterniſſe mich, Warum alſo— ſo hörſt mein Herz Du fragen— Warum alſo vergeſſen Dich?— 5

Kann wohl ein Menſch vergeſſen, daß er lebet, 3

Daß eine Welt vor ſeinen Blicken liegt, Daß ſich im Oſt die junge Sonne hebet Und ſich im Weſt in Abendſchlummer wiegt? Kannſt Du mich erſt mein Ich vergeſſen lehren, Verſuch' es erſt, und laſſe mich Aus Lethe's Wellen einen Becher leeren, Ja, dann vielleicht— vergeß ich Dich!“— 7

Das Gedicht war ein Product von Eduards eigner Muſe, die Muſik, die er ebenfalls ſelbſt componirt hatte, war ſehr ſchön. Doch kannte Niemand den Verfaſſer, mit Ausnahme

Emma's, die ihn unter ſtarkem Erröthen und noch ſtärkerem

Herzklopfen ahnte. Ihr allein waren dieſe Verſe gewidmet als Antwort auf die von ihr in die Linde eingeſchnittenen Worte. Allein Emma's Triumph war noch nicht vorüber, ſie ſollte

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