Teil eines Werkes 
2. Theil (1856)
Entstehung
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Beſtes will und kennt. Dieſe Regel haben meine Schweſtern und ich von Kindheit auf befolgt. Guſtava und Jenny ver⸗ trauten der Mama Alles an, mein Vertrauter aber iſt ſtets der Papa geweſen, der auch ſeinerſeits auf mich und auf mei⸗ nen älteſten Bruder am meiſten unter allen ſeinen Kindern hält, obwohl er nie zeigen will, daß er einen Unterſchied zwiſchen uns macht.“—

Bei dieſen Worten ſeufzte Emma tief. Dieſe vertraute und zugleich verſtändige Freundin, der ſie ohne Furcht alle ihre Gedanken und Gefühle mitzutheilen wagte, war gerade das, was ihr fehlte, und ſeit dem Tage, an welchem ſie Eduard zum erſten Mal ſah, hatte ſie nicht den Muth gehabt, Jemand zu dieſer Rolle auszuwählen. Früher hatte ſie Julie alle ihre Gedanken, Gefühle und Wünſche mitgetheilt; aber von dieſem Tage an fühlte ſie, daß ſie Gedanken und Gefühle hege, die ſie Niemand mittheilen wollte; und bitter hatte ſie oft dieſe Leere gefühlt, dieſes ſeltſam peinliche Gefühl, das Herz ſo voll zu haben, daß es ſich in Worte zu ergießen wünſcht, und ſich doch mit bloßen Seufzern und mit der einſamen Natur begnü⸗ gen zu müſſen.

„Nun, laß mich Deinen Tyroleranzug ſehen“— ſprach Emilie weiter.—„Ei, er iſt ja recht ſchön, und wie hübſch wird Dich der kleine Hut kleiden. Setze den Hut einmal auf, damit ich ſehe, wie er Dir läßt. Ei, wie biſt Du hübſch! Wäre ich ein Jüngling, ich würde mich ſofort in Dich verlie⸗ ben. Gott bewahre übermorgen den Grafen und meinen Bru⸗ der mit der Brille“———

„Und den Magiſter A*⸗— unterbrach ſie Emma lachend.

„Ah— mit dem hat es keine Gefahr“— erwiederte Emilie—„er darf Niemand liebenswürdiger finden, als mich. Aber zieh Dir einmal das ganze Koſtüm an, ich will ſehen, wie es Dir paßt.—.

„Was ſprichſt Du?“— verſetzte Emma—„ich kann