fiel ihr Wilhelm ins Wort—„laß mich mit der alten Frau ſprechen. Ich will ihr pro primo ſagen, daß ſie unmöglich älter als ſechs und dreißig Jahre ſein kann, denn ſie ſieht noch ſehr gut aus.——„Mein Gott“— rief Emma ängſtlich—„iſt das wohl erlaubt, eine alte Frau ſo närriſch zu machen?⸗—„Ich mache ſie nicht närriſch, meine Gnä⸗ dige“— erwiederte Wilhelm—„aber eine alte Manſell“ —„Nun wohl“— unterbrach ihn Emma—„iſt eine alte Mamſell nicht aller Achtung werth, wenn ſie ſich anſtändig und tadellos benimmt?— Als ob der Name Frau eine Perſon achtungswerther machen könnte.“—„Ei, allerdings thut dies ſehr viel zur Sache“— verſetzte Wilhelm—„aber laſſen wir dies jetzt. Ich will ſchon Etwas erſinnen, was in den Ohren der Alten angenehm klingen ſoll, ſo daß ich ihr Liebling werde, ehe ich noch meinen Wunſch hinſichtlich der Kleider ausgeſprochen habe. Erſt rede ich mit ihr von dem trüben regneriſchen Wetter, das einige Tage gedauert hat; dann komme ich auf den Einfluß, den daſſelbe auf einen alten— nicht doch— auf einen kranken Körper haben muß. Hernach ſchnupfe ich mit ihr und lobe ihren Schnupftabak, nicht zu ver⸗ geſſen ihre Doſe. Sodann leite ich unmerklich das Geſpräch
auf das Eſſen und behaupte, daß kein Menſch in ganz Schwe⸗
den ſo delicat kochen kann, wie Mamſell Oliveblad, und ſor ———„Nun, ſo geh, Du Lärmmacher“— rief Emilie und ſtieß ihn in den Rücken—„aber komm nicht ohne den Anzug oder wenigſtens ohne das Verſprechen, daß ich denſelben kriegen ſoll, zurück, ſonſt ſchlage ich Dir Deine Brille entzwei.“ — Wilhelm ging.
„Aber liebe Emma“— ſprach Emilie, nachdem ſich ihr Bruder entfernt hatte—„Du ſollteſt Dich als Flora koſtü⸗ miren— es giebt jetzt ſolche herrliche Blumen; o, wie ſchön würdeſt Du ausſehen!— Allein Emma erklärte, daß ihr
dieſe Maske zu anſpruchsvoll vorkäme und daß ſie lieber einen
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