Teil eines Werkes 
1. Theil (1856)
Entstehung
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melancholiſchen Stimmung, in welcher ſie ſich eben befand, holte ſie ſich ein Federmeſſer und ſchnitt die Worte:—„Vergiß mich!“— unter dieſen Namen, denn ſie zweifelte nicht, daß Eduard ihren Namen in den Baum geſchnitten hatte. Und obwohl ſie ſich am Freitag durch Eduards Gegenwart in der Pfarre und durch alle Beweiſe von Liebe, die er ihr gab, ſehr glücklich gefühlt hatte, ſo hatte doch der trübe Montag ihre Stimmung ſo geändert, daß ſie ſich wirklich von ihm vergeſſen wünſchte.

Als Fridolf ſpäter Abends vom Hammer zurückkehrte und ſeinen Weg durch den Park nahm, bemerkte er die in die Linde eingeſchnittenen Worte. Sogleich fiel ihm ein, daß der Name Emma's von Niemand, als von Wilhelm herrühren könnte. Und daß Emma ſelbſt die Worte:—„Vergiß mich!— darunter geſchrieben hatte, deſſen war er ſo gewiß, daß er ſich ungemein darüber freute. Ruhiger als gewöhnlich ging er ſchlafen. Allein er erſtaunte nicht wenig, am folgenden Morgen, als er wieder durch den Park ging und den Stamm der Linde betrachtete, unter den Worten„Vergiß mich!’— die Worte:—„Ich kann nicht.— eingeſchnitten zu ſin⸗ den. Verdrüßlich über Wilhelms vermeinte Hartnäckigkeit ſchnitt er unter die Worte:„Ich kann nicht.⸗— die Worte:— „Du mußt!“— ein, ſetzte ſeinen Weg zufrieden fort und freute ſich, daß Wilhelm, wenn er die letzten Worte leſen würde, ſie für Emma's Willensäußerung halten und unwillkürlich glau⸗ ben müſſe, Emma wolle nichts mehr von ihm wiſſen.

Wilhelm wußte jedoch nicht das Geringſte von Fridolfs Eiferſucht und zunehmenden Haß gegen ihn oder von den in die Linde eingeſchnittenen Worten. Aber Emma's Erſtaunen, alh ſie wieder an die Linde kam und die beiden letzten In⸗ ſchiften fand, läßt ſich leicht denken. Daß Eduard unter ihr

Vrgiß mich!— die Worte— Ich kann nicht. einge ſchatten hatte, bezweifelte ſie nicht; wer ihr aber ſo dienſtfertig

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