Teil eines Werkes 
1. Theil (1856)
Entstehung
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Indeſſen verging die Zeit für Emma ſehr angenehm unter Arbeit, Muſik, Tanz, Spaziergängen, Laufen, Schaukeln und Spielen. Tante Gertrud hatte nicht ſo Unrecht; man arbeitete nicht mit beſonderem Eifer. An Fridolf und deſſen Benehmen

chte Emma nicht mehr; deſto mehr dachte ſie an Eduard, eſſen Bild ihr beſtändig folgte. Er wußte nicht, daß ſie ſich jetzt im Pfarrhauſe aufhielt, ſonſt würde er längſt einen Be⸗ ſuch daſelbſt gemacht haben.

Am Donnerſtag Abend kam Fridolf; er benahm ſich eben

ſo kalt, wie am Sonntage, gegen Emma, ließ aber demunge⸗ achtet auch keine ihrer Bewegungen und keinen ihrer Blicke aus den Augen. Ununterbrochen, aber unbemerkt, beobachtete er ſie. Ein neues Licht— leider aber nur ein Irrlicht— ging ihm dabei auf:— er wurde eiferſüchtig auf Wilhelm. Ge⸗ wiſſermaßen hatte er freilich nicht ganz Unrecht, denn Wilhelm hielt ſich fortwährend in der Nähe Emma's auf, die ſich je⸗

„doch gegen ihn leicht und unbefangen, wie gegen die übrigen

jungen Männer betrug. Allein die Liebe hat bei vielen an⸗

dern Fehlern auch den, argwöhniſch zu ſein. Fridolf war ein⸗

mal auf die Idee gekommen, daß Wilhelm Emma's begün⸗ ſtigter Liebhaber ſei, und ſeitdem deutete er jeden Blick, den ſie auf Wilhelm warf, jedes Wort, das ſie mit demſelben ſprach, in dieſem Sinne aus. 4

Es war Nachmittag und die Mädchen in der Pfarre ſaßen alle zuſammen und nähten. Niemand von den Herren war bei ihnen, als Fridolf und Wilhelm. Letzterer ſaß dicht in Emma's Nähe und beſchäftigte ſich unaufhörlich mit derſelben. Wenn ſie die Scheere oder den Zwirnknäuel ſuchte, ſo beeilte er ſich, ihr Beides zuzureichen und wieder abzunehmen, wobei er nie unterließ, beide Gegenſtände unbemerkt mit ſeinen Lip⸗ hen zu berühren. Er half ihr eine feine Nähnadel anſtatt der

'e zerbrochenen aus dem Nadelbriefe ausſuchen, hielt ihr

8s Nodelltuch und zeigte ſich in allen Stücken ungemein eif⸗