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liebte, weil ſie nur ein Jahr jünger als er ſelbſt war und alle Spiele der Kindheit mit ihm getheilt hatte, gewahrte bald die Wolke, welche auf ihrer Stirn ſchwebte. Mit zärtlicher Theilnahme fragte er nach der Urſache derſelben. Die Thrä⸗ nen, welche Jenny ſo lange zurückgehalten hatte, drangen nun unaufhaltſam aus ihren Augen; ſie erwiederte, daß ſie un⸗ möglich fröhlich ſein könne, wenn ſie daran denke, daß ihre gute Schweſter Guſtava in wenigen Monden den Kreis ihrer Geſchwiſter verlaſſen haben würde. Guſtava hörte dies und ſchloß gerührt Jenny in die Arme; Jenny verbarg ihr Ge⸗ ſicht an der Schweſter Bruſt und fühlte Schaam über ihre kindiſche Trauer um Fridolf's Außenbleiben und Gewiſſens⸗ qualen über die Unwahrheit, womit ſie ihre theilnehmende Schweſter getäuſcht hatte. Denn die bevorſtehende Trennung von Guſtava, obwohl ihr dieſelbe bitter erſchien, war jetzt wirklich nicht die Urſache ihrer Betrübniß, ſondern lediglich Fridolfs Außenbleiben.
Jenny hatte ſich durch ein mehrjähriges faſt tägliches Bei⸗ ſammenſein ſo an dieſen Jüngling gewöhnt, daß ſie ihn— bevor ſie es ſelbſt wußte— zärtlich und innig liebte, ohne daß er ſeinerſeits die geringſte Ahnung davon hatte. Da ſeine Schweſter Henriette in der Pfarre wohnte und da ihm das angenehme Leben daſelbſt anſprach, ſo ließ er faſt keinen Tag vergehen, ohne einen— wenn auch nur etliche Minuten dauernden— Beſuch im Pfarrhauſe zu machen. Jenny war weit davon entfernt, ſich für den Gegenſtand dieſer Beſuche zu halten; aber ſie freute ſich, ſo oft Fridolf kam.
Während der ganzen verfloſſenen Woche hatte er ſich in der Pfarre nicht ſehen laſſen, und da er auch am Sonntag nicht erſchien, hielten Alle ihn für krank und beſtürmten Emma, als, dieſelbe kam, mit Fragen über Fridolf's Befinden, Auf iwee Verſicherung, daß er ſich völlig wohl befinde, aber nicht Luſt


