nieder, und ſiehe da, auf hohem Poſtamente ſtand ein wohlausgeſtatteter Liebesgott mit flatternden Papierflügeln, gewiß der allerwunderlichſte Liebesgott, der je auf Ver⸗ wandtſchaft mit Amor Anſpruch gemacht hat. Weit hin erſcholl ſofort des Oberförſters Machtgebot, daß derjenige der beiden Freier, welcher auf ſiebenzig Schritte Abſtand
dem Gotte das linke Auge ausſchieße, zum Lohn für dieſe
Großthat die Hand ſeiner Tochter Alma erhalten ſolle., Unter der ſitzenden, ſtehenden und auf den Bäumen Fuebenden Zuſchauerſchaft herrſchte eine lantlos feierliche tille. Alma erhielt von ihrem Vater zwei Looſe, aber ihre Hand zitterte ſo heftig, als ſie dieſelben den beiden jetzt vortretenden Nebenbuhlern entgegenſtreckte, daß ſie die Pa⸗
pierſtreifen kaum zu halten vermochte. Der Major und
Karl Auguſt zogen— der Major hatte den erſten Schuß.
„Alles in Ordnung!“ rief der Oberförſter.
Mit feſten, ſichern Schritten trat der Major vor, unterſuchte genau das Pulver auf der Pfanne, legte lang⸗ ſam an und zielte eine gute Weile. Vtelleicht gereichte ihm gerade das zum Nachtheil, denn trotz der Kälte, die er zur Schau trug, hätte ein ſcharfes Forſcherauge be⸗ merken können, daß ſeine Hand allmälig zu zittern anfing. Der Schuß krachte und Amor war ins Auge getroffen— aber ins rechte.
Nicht eine Spur von Aufregung zeigte ſich in dieſem Augenblick auf dem eiskalten Geſichte des Majors. Er blies in den Lauf hinein, ſtellte den Hahn in Ruhe, ſchlug die Pfanne zu und kehrte ſchweigend an ſeinen Platz zu⸗ rück, mit einem Geſichte, welches ſich Tröſtungen und Mikleid gleich ernſtlich zu verbitten ſchien.
Der Oberförſter zupfte ein Paar Mal an ſeinem Backenbart; außerdem war aber keine Gemüthsbewegung an ihm zu bemerken.
Und jetzt wechſelte Karl Auguſt mit Alma einen Blick, ſo lang, ſo innig und tief, als ſollte es der letzte ſein. Ihre Wangen waren blaß, die ſeinigen blutroth
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