mung des Sees ihren unruhigen Zug zu erblicken.— Ich ſchließe für heute und ſetze meinen Brief morgen fort.
„Endlich kann ich ſagen, daß ich eine Bekanntſchaft gemacht habe. Tagtäglich ſpähte ich vergebens nach Schiffen und Matroſen: hier finden ſich blos einige unbedeutende Fiſcherboote vor. Geſtern Abend endlich, als ich an den Strand ging, ſah ich eine wohlgetakelte Galeaſſe auf der Rhede liegen und einen ächten Seemann in ſeiner hübſchen Matroſenjacke an der Landungsbrücke ſtehen. Dieſer An⸗ blick that mir in der Seele wohl, denn ich habe mich ſchon lange nach dem Meere geſehnt, und bald hatte ich mit dem gothländiſchen Kapitän ein Geſpräch angeknüpft. Er beklagte ſich über die harten Lootſenabgaben und die be⸗ ſchwerliche Kanalfahrt, die erſte, die er bis jetzt gemacht hatte; dann ſchimpfte er erbärmlich über die Seekarte des Wetterſees, auf der keine Landungsplätze angegeben ſind, ſo daß man genöthigt iſt, Lootſen anzunehmen, während man ſonſt von ſelbſt zurechtkommen konnte.„So wahr ich ein ehrlicher Kerl bin, es hat mich über fünfzig Reichs⸗ thaler Banco gekoſtet, in dieſe elende Barbierſchüſſel zu gelangen!“ verſicherte der ehrenfeſte Kapitän.„Aber,“ fügte er hinzu,„bin ich einmal wieder draußen, ſo ſoll ſich mein Schiff nicht wieder ſobald hieher verirren.“ Die alte Theerjacke kam mir vor wie ein Wallſiſch, der aus Verſehen in einen Bach gerathen iſt.*)
„Dies iſt Alles, was ich bis jetzt zu erzählen weiß. Im Uebrigen befinde ich mich wohl und werde morgen, wenn der Wind günſtig iſt, nach dem Omberg hinüber⸗ fahren. Mit unverbrüchlicher, kindlicher Liebe Euer
Karl Auguſt.“
Es war intereſſant, Frau Agnetas Geſicht zu beobach⸗
*) Karl Auguſt muß eine Erſcheinung gehabt haben, wenn er zur Zeit unſerer Erz ählung im Wetterſee einen Meerfahrer geſehen haben will. A. d. V.


