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Ruthe aufgehängt, welche nur bei der jüngſten Abthei⸗ lung der Schule angewendet wurde.
Nie ſchwitzte der gute Wärning ärger, als wenn ſeine Frau— welche, während ſie faſt wie eine Skla⸗ vin für das Beſte des Hauſes arbeitete, zugleich eine ſtrenge Aufſicht über die Schule hielt— erklärte, er müßte den Erich nehmen. Er gehorchte; aber bei den Schlägen, die er austheilte, litt ſein eigenes Herz mehr, als die Rückenknochen und Schultern der Kna⸗ ben. Nichts deſtoweniger mußte die Gerechtigkeit bis zu Ende gehandhabt werden; denn ſo gewiß, wie Frau Guſtafwa Wärning dieſes wichtige Geſchäft nie ohne geſetzliche Gründe anbefahl, eben ſo gewiß durfte auch ihr Mann an keine Oppoſitionsidee denken und noch viel weniger dieſelben ausführen.
Inzwiſchen, da Wärning jetzt, wie eben erwähnt, zu dem Dienſte einer Kinderwärterin befördert worden war, ſo übernahm ſeine raſche Frau oben berührtes, verdrießliches Geſchäft. Und während Wärning mit dem kleinen Paul auf dem linken Arm und dem Kate⸗ chismus in ſeiner rechten Hand zwiſchen den Bänken fragend auf⸗ und abging, konnte hinter ſeinem Rücken auch nicht der geringſte Unfug paſſiren, ohne daß Frau Wärning— mochte ſie nun mit dem Spinnrade, dem Webeſtuhl oder Kardenſchemel beſchäftigt ſein— es ſogleich merkte und mit ruhiger, aber doch kraftvoller
Stimme ihr:„Halt!“ rief. Bei dieſem einfachen, aber bedeutungsſchweren Worte fühlten die Kinder gleichſam einen Stich in der Herzgrube, denn ſie wußten nur zu gut, daß es das Zeichen einer Begrüßung von den eigenen kraftvollen Händen der guten Frau war, welche, planmäßig den Wangen der Knaben applicirt, nicht viel weniger Reſpekt hinterließen, als ſelbſt Meiſter Erich in höchſt eigener Perſon. Nicht ſelten zog ſich Wärning ſelbſt unter ähn⸗ lichen, ſchnell entſtehenden Auftritten einen ſtrengen Blick, ein ernſtes, zurechtweiſendes Wort zun wenn er


