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entzückend, denn ich gehe, um Dir das Erbrecht zu er⸗ werben; und wenn uns auch nur der kleinſte, der entlegenſte Winkel des Himmelreichs angewieſen wird„ſo iſt er den⸗ noch groß genug, wenn wir beide dort bei einander weilen dürfen... doch Du mußt mir ſchwören bei unſrer Liebe, bei den Leichenlichtern des Himmels, die über unſern Häuptern glänzen, daß Du auf der Erde bleibſt und Buße thuſt, bis Du eine Stimme vernimmſt, die ſich an Deine Seele ſchmiegt und flüſtert: ‚Jetzt iſt's Zeit! unſer Braut⸗ gemach iſt lieblich geſchmückt, denn dort brennt eine Lampe, deren Oel geſchöpft iſt aus der großen Lampe, die in Gottes eigenem Thronſaale hängt!-... Erwarteſt Du aber nicht dieſe Stimme, kommſt Du, ehe ich meine große Bereitung beendigt habe... Dann— o wehe, wehe!— dann müſſen wir von Ewigkeit zu Ewigkeit ſtehen, Du auf der einen und ich auf der andern Seite, ohne jemals zu einander kommen zu können!... Doch Du willſt ja unſre Seelen nicht von einander reißen? Du willſt ja unſre ewige Vereinigung? So ſchwöre mir denn, daß Du warten willſt Ach, Du antworteſt nicht! Ich habe nicht Zeit zu warten; ich muß eilen, mein Werk zu be⸗ ginnen— ſchwöre... ſchwöre!“
„Ich ſchwoͤre!“
Die Worte kamen aus ſeinem Munde gleich einem Röcheln des Todes, aber ſie erreichten dennoch ihre Ohren.
„So lebe denn wohl, mein Bräutigam— ein fröh⸗ liches Wiederſehen! Unſre Lippen dürfen ſich hier zu kei⸗ nem Abſchiedskuſſe mehr begegnen; doch zum Willkommen dürfen ſie ſich begegnen im Himmel... im Himmel... im Himmel bei“... 3
Sie ſtreckte die Arme aus gegen die erwartende Hei⸗ math, und ſtürzte ſich mit einem einzigen Sprunge hinab in die ſchwarze Tiefe. Weit über dem Bullar⸗See erſcholl in dieſem Augenblicke ein Ton, deſſen Klarheit nicht ein⸗ mal das heftige Geplätſcher des Waſſers uberſtimmen konnte. Dieſer Ton war Conſtances letzter Abſchiedsgruß.
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