zurückzuhalten: die Freie verſtieß⸗ihn, während die Ge⸗ bundene...„O Herr! wie unerforſchlich ſind Deine Wege!“
„Warum leideſt Du auch, Conſtance? Rede zu mir von Deiner Betrübniß: Glaubſt Du, daß etwas Gefähr⸗ liches, etwas ſehr Gefährliches geſchehen kann?24
„O nein, ich hoffe, daß nichts Gefährliches geſchehen wird!“ Die ſtolze Frau brauchte ihre Qual nicht mitzu⸗ theilen: ſie verſchmähte jede Theilnahme— wer hätte ſie auch wohl tröſten können? Dieſes Kind konnte nicht ein⸗ mal die Stürme begreifen, welche ihre Bruſt in ſchweren Wogen hoben.
„Du glaubſt alſo“— Evelyn forſchte in ihren Auge —„daß er morgen wieder kommen wird, um mich zu tröſten über alle Schmerzen, die ich ihm bereitet habe?“
„Ja, ja, bete Du für ihn warme, inbrünſtige Ge⸗ bete, denn er bedarf ihrer.“
„Und wenn er kommt, ſo will ich ihm ſagen, daß ich ſo viel geweint habe, und daß ich nicht leben kann, ohne daß ſein Geiſt mich ſegnet!... Glaubſt Du, daß er mich ſegnen wird?“ 1
„Ganz gewiß!... Nun aber darfſt Du nicht län⸗ ger aufbleiben!“— Und Conſtance half Evelyn zur Ruhe. Aber Evelyn ſank in keinen wirklichen Schlaf; ſie befand ſich in dem geheimnißvollen Zuſtande, welcher die Seele aus ihren Feſſeln loͤſ't, während der Körper in der Er⸗ ſtarrung bleibt...
Conſtance ging hinaus in das äußere Zimmer, um noch ferner zu wachen und zu beten. Sie hatte Holz in den Ofen geſetzt und ſaß vor dem Feuer, welches ihre eigene leichenblaſſe Geſtalt, ſo wie auch das Gemälde erleuchtete, auf welches ſie bisweilen ihre Blicke warf, um nicht den Leitſtern aus den Augen zu verlieren.
Bald ſtreckte ſie den kleinen Fuß, bald die Hand bis dicht an das Feuer, in der Hoffnung, daß die Wärme in ihre Glieder Eingang finden möchte; aber der flammende
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