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Schein war ohne alle Wärme, und ein Fieberſchauer nach dem andern flog durch ihren Körper.
Sie ſah nach der Uhr: dieſe war ſchon bis über halb zwölf vorgeſchritten. Sie dachte an ihren Gatten, und in der namenloſen Unheimlichkeit, welche ſte umgab, wünſchte ſie ſehnſuchtsvoll, daß er kommen möchte. Sie dachte auch an den Oberpfarrer, an alle wohlthuenden Worte, welche er zu ihrem Herzen geredet hatte über die Gefähr⸗ lichkeit der Leſerei, über das unermeßliche Unheil, das grenzenloſe Elend, zu welchem ſie führen könnte, und ſie faßte den beſtimmten Vorſatz, ſich oder vielmehr ihn, über deſſen Schickſal ſie beſorgter war als über ihr eigenes, dieſem würdigen, wahrhaft chriſtlichen Manne anzuver⸗ trauen, der vielleicht noch im Stande ſein koͤnnte, die Wunden zu heilen, an denen Juſtus blutete, oder ihm wenigſtens die Laſt tragen zu helfen.
„O!“ ſeufzte ſie erbebend,„möchte es nur nicht ſchon zu ſpät ſein!“ Und ihr Haupt ſank auf die Hand herab.
Ein ſcharfer Windſtoß ſauſte durch die Luft, der Re⸗ gen fiel in immer ſchwereren Tropfen gegen das Fenſter — Conſtance's Glieder begannen zu zittern, und dieſes Zittern hörte gar nicht mehr auf. Noch einmal ſah ſie nach der Uhr: es war kurz vor Mitternacht.
Da raſſelte es an dem Riegel der Hausthür. Dieſe war nur loſe zugemacht, weil der Hausherr in jedem Augenblicke erwartet wurde.
Conſtance fuhr zuſammen.„Ich hörte ja den Wa⸗ gen nicht!“— ſie lauſchte— jeder Pulsſchlag ſtand ſtill, um zu lauſchen.„Es geht... das iſt nicht... gro⸗ ßer Gott, das iſt nicht Leonard!... das iſt... das iſt“... Schwere Schritte ſtampften durch den Saal.
Conſtance ſaß wie verſteinert; ſie bewegte kein ein⸗ ziges Glied. Die Thür ging auf— ein Geſpenſt er⸗ ſchien auf der Schwelle.
„Jeſus Chriſtus!“


