Bweiundvierzigſtes Kapitel.
Zwei Stunden waren verſloſſen.
Es war Nacht, eine finſtere, mondleere, ernſte Nacht. An der Feſte des Himmels flimmerten einige blaſſe Sterne, kalt wie der Wind, der in kurzen Zwiſchenräumen durch die Zweige rauſchte und ihr Laub auf die Erde warf. Der dunkle Weg mit der ganzen langen Reihe von ergilbtem Laube und ſchwärzlich grünen Fichtentangeln ſah aus wie ein mit Tannenſpitzen beſtreuter Leichenweg und die düſtern Föhren zu beiden Seiten ſtanden in ſteifer Parade da gleich einer harrenden Proceſſion. Nur eine Leiche fehlte noch.
Einige ſchwere Tropfen ſielen vom Himmel herab— vielleicht kuͤhlten ſie den einſamen Wandrer, welcher ſich längs dem Rande des jähen Felshanges hinſchlich. Er hatte keinen Hut mehr. Der Regen badete ſeine Stirn, die trotz der kühlen Winde brannte, als trüge ſie einen brennenden Scheiterhaufen in ſich... Auch in der un⸗ bedeckten Bruſt, die ſich ebenfalls in der Nachtluft abkühlen wollte, brannte himmelhoch ein Scheiterhaufen.
Zwei Stunden... wie viel und doch wie wenig! Hier waren ſie hinreichend geweſen, eine der ſchönſten Hütten, in welcher jemals eine urſprünglich reine und edle Seele gewohnt hatte, faſt gänzlich ihres menſchlichen Charakters zu entkleiden.
Der letzte Kampf zwiſchen der Leidenſchaft und der Religion, zwiſchen dem Wahnſinne und der Vernunft war ausgekämpft: der letzte aufflammende Lichtſtrahl war er⸗ loſchen— auf der Seele des Fanatikers lag ein großes, ein unendliches Wehe.
Der Fürſt der Finſterniß hatte geſtegt... Grave hatte geſtegt. Doch über dieſen Sieg weinten die Engel


