Teil eines Werkes 
Band 8, 3. Theil, 13.-18. Bändchen (1848)
Entstehung
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Muth haben, ſie zu ergreifen, um zur Natur, zu dem einzigen wahren Gotte zurückzukehren, deſſen Lehren ſo einfach ſind, wenn man ſie nicht in einem täuſchenden Lichte betrachtet?.....

Eine Thräne rollte an ihrer Wange herab; ſie floß gewiß nicht aus dem Zweifel oder Mißtrauen an die Richtigkeit der Mittel, durch welche ſie ſich in die Stim⸗

mung zu ſetzen ſuchte, worein ſie zu kommen wünſchte ſie war nur um ſo bitterer, als ſie, nach ihrer Art zu

ſehen, noch nicht ſo weit auf dem Wege der Gerechtigkeit gekommen war, daß es ihr geſtattet war, das Geheimniß zu vernehmen, welches ihr verborgen war.

Sie prüfte ihr Inneres und ſuchte die Urſache des bitteren Ueberdruſſes zu entdecken, der ſie ergriff, ſobald Leonard ſich ihr mit der geringſten Liebkoſung nahte, und obgleich ſie mit großem, bewunderungswürdigem Scharf⸗ ſinne den kühnen Sophismus in vielen Variationen aufſtellte, daß ein von Gott recht erfaßtes Herz gar nicht im Stande iſt, einen Funken der flüchtigen Gefühle, welche die Sinne verwirren, in ſich aufzunehmen, ſo mußte ſie dennoch erröthend ſich ſelbſt bekennen, daß dieſe Regel Ausnahmen geſtattete, und daß die allertiefſte und ſtrengſte Gottesfurcht nicht hinderte, und noch viel weniger ihrem Gefühle ver⸗

bieten könnte, die Zärtlichkeit ihres Gatten freundlich zu

erwiedern. Es war alſo der eigene Fehler des Gefühles,

es war ein dem frommen und gottesfürchtigen Weibe ohne

Zweifel angeborner Inſtinkt, den ſie gleichwohl verpflichtet war in ſo weit zu beſiegen, daß ſie, ohne ſich kalt oder beläſtigt zu fühlen, litt, was ſie nicht erwiedern konnte, was ſie aber nicht berechtigt war, von ſich abzuweiſen.

Ja, ſeufzte in ihren Gedanken,ich will ſeinen Kuß, ſeine Liebkoſung ertragen, weil es meine Pflicht iſt; ich will ihn nicht mehr ſo verletzen wie geſtern! Er empfand noch heute dieſen Schmerz, das ſah man ihm wohl an aber ach! kann ſein Schmerz wohl groͤßer ſein, als der meinige, wenn ich es ertrage? Nein, das

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