kleine Erhöhung, in deren netten Zimmern man auf der einen Seite die weiteſte Ausſicht über den Bergweg und die Abſtürze und auf der anderen über den Bullar⸗See hatte, und über den See hinweg an der Smewiks⸗Oe vorbei(unter welcher die große Schlange, das aus dem Meere verirrte Ungeheuer, ſeine Wohnung hatte) die ſenk⸗ rechten Wände des Schloßberges erblickte, nicht zu ver⸗ ſchweigen das Thal ſelbſt mit dem Strome, wo der arme Nir des Abends noch heutiges Tages ſeine Lieder fingt.
Da das Haus auf der Höhe lag, fühlte man den Hauch der Winde ſcharf genug in demſelben, und obgleich es jetzt um die Frühlingszeit war, ſo wußten ſie ihr Recht in dem Maße geltend zu machen, daß die junge Hausmutter, welche in dem Alltagszimmer allein ſaß, ſich unmöglich der über ſie kommenden Schauder erwehren konnte.
Etwas über zwei Monate war Conſtance nun Leo⸗ nard's Gattin geweſen; doch bis jetzt hatte der treuher⸗ zige, redliche und immer verliebter werdende Mann ſich an keinem wirklichen Sonnenſcheinlächeln von ihren Lippen wärmen können. Wenn Leonard ſeine allervor⸗ trefflichſten Saiten anzuſchlagen verſuchte, ſo verzog wohl Conſtance den Mund zu einem Lächeln; doch ſchien ihr dieſes Lächeln nicht nur Anſtrengung zu koſten, ſondern auch Schmerz zu verurſachen. Nie war ſie gleichwohl in ihrem Benehmen gegen ihn unfreundlich und ſteif gefroren, ſondern gleichmäßig, ſanft, ernſt und arbeitsſam; letzteres mehr als Leonard wünſchte, denn ſie hatte nie Zeit zu andern Dingen, als zur Arbeit und zum Leſen.
In dem Augenblicke, da wir in ihre Wohnung treten, finden wir Conſtance mit ihrer Nähterei im Schoße an einem Fenſter, von welchem man keine Ausſicht auf den See, ſondern auf den Wald hatte. Dieſer Wald inter⸗ eſſirte ſie, weil er mehre Geſchlechtshügel*) in ſich ſchloß
*) Ganz gleich den deutſchen Hühnengräbern. . Anm. d. Ueberſ.


