Teil eines Werkes 
Band 7, 2. Theil, 7.-12. Bändchen (1848)
Entstehung
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Jetzt nahm ſie ſelbſt das Buch und ſchlug eine an⸗ dere Stelle über eben denſelben Gegenſtand auf; doch mit ſtummer Verzweiflung fühlte auch ſie ihre Ohnmacht. Sie empfand wohl eine fürchterliche Angſt, eine Angſt, welche ihren Augen Thränen entpreßte und ihre Glieder erſchütterte; doch war dieſe Angſt weit entfernt von der wahren, der rechten Angſt, die eine bekümmerte Seele für ihren eigenen Frieden, für ihre eigene Reinigung und für den Frieden und die Reinigung eines Andern empfindet; denn in dieſem Falle würde ſich die Angſt in Thränen der Seligkeit mit einem frohen und hoffen⸗ den Glauben aufgelöst haben.Mein Gott, mein Gott! was bedeutet dieſe Finſterniß? flüſterten ihre bleichen Lippen, indem ihr Haupt auf die gekreuzten Arme herab⸗ ſank.Sollteſt Du dieſen Bund nicht mit Wohlgefallen anſehen?

Leonard konnte das junge, ſchöne, blaſſe Mädchen nicht ſo bewegt, ſo erſchüttert ſehen, ohne ſelbſt eine ihm ſonſt ungewöhnliche Erſchütterung zu empfinden. Conſtance! ſagte er und ergriff ſanft ihre Hand,bebe nicht ſo: Gott iſt gut; er wird uns ſegnen und unſern guten und reinen Vorſatz anſehen!

Dieſe ſo einfachen, aber doch ſo warmen Worte drangen wie ein Stich durch Conſtance's Herz. War ihr Vorſatz rein, war er gut? Ja, er konnte nicht anders ſein.

Laſſet uns beten! ſagte ſie, indem ſie ſich heftig erhob und zwei kleine Kiſſen vor den Tiſch auf den Fußboden warf. Sie ließ ſich ſelbſt auf das eine nieder und unwillkürlich ſenkte ſich auch Leonard auf das andere.

Jetzt entſtrömten Conſtance's Lippen unzuſammen⸗ hängende Worte; ihre innere Arbeit wann dieſes Wort hier erlaubt ſein kann war ſo mächtig, daß ſie ihren ganzen Körper erſchütterte; ſie lag mit dem Ge⸗ ſichte auf der Erde und Leonard glaubte zuletzt, daß ſte krank war, denn die eine krampfhafte Zuckung nach der andern zog ſie immer tiefer und tiefer herab.Um