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Man ſah es Leonard an, daß er ein wenig über⸗ raſcht war; doch er unterdrückte augenblicklich das Ge⸗ fühl, welches dieſe religiöſe Handlung nicht ganz an ihrer rechten Stelle finden wollte, und antwortete mit herzlicher und inniger Liebe:„Ich verſichere Dich, meine geliebte Conſtance, daß meine Gedanken heute ſehr oft bei ihm geweſen ſind!“
„Daran zweifle ich gar nicht; doch dieſe flüchtigen Seufzer ſind nicht genug. Wollen unſre Herzen eines wahren Friedens genießen, ſo bedürfen ſie an jedem Tage ihres Umganges mit Gott, und um wie viel mehr alſo an dieſem wichtigen Tage, an welchem wir eine ſo große Verantwortlichkeit, ſo heilige und ernſte Pflichten übernehmen! Dieß iſt unſre erſte gemeinſame Betſtunde; doch mit Gottes, des heiligen Geiſtes und unſers Mei⸗ ſters Beiſtand wird es nicht die letzte ſein, in welcher wir unſere Seelen mit einander Troſt finden laſſen.“
Nach dieſen Worten, welche— wir ſind genöthigt, es zu geſtehen— Leonards Muth herabſtimmten, anſtatt ihn zu erheben— trat Conſtance an einen kleinen Tiſch, auf welchem einige Bücher in ſtreng ſektireriſchem Geiſte und eines derſelben geöffnet lagen. Sie winkte Leonard, ſich neben ſie zu ſetzen und bat ihn, indem ſie ſelbſt das Haupt auf die gegen den Tiſch geſtützte Hand legte, er moͤchte laut leſen.
Sie hatte die Seite gezeichnet, wo er anfangen ſollte: es war eine Betrachtung für Eheleute und betraf beſonders die Verträglichkeit, welche ſie ſich gegenſeitig ſchuldig wären, falls das wichtigſte aller Bedürfniſſe, die Sorge für die Rettung der Seele, das Suchen der Seele nach Licht, bei dem Einen früher erwachte, als bei dem Andern; und Leonard trug dieſes zwar nicht mit der Stimme ſeines Bruders Juſtus vor, aber doch


