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Die Nachricht von dem Tode ihres Vaters traf Conſtance kurz nach dem Zeitpunkte, da wir vor etwas über anderthalb Jahren von Oernwik Abſchied nahmen. Damals war ſie trotz aller Ueberredungsgründe der Con⸗ ſulin nach Hauſe gereiſt, um die Betrübniß ihrer Mutter zu theilen, und ihr zu einer Hülfe und Stütze zu die⸗ nen, denn Conſtance wußte allzuwohl, daß ihre Mutter zu dieſen Frauen gehörte, die keine Art von Oekonomie in Ordnung bringen können. Obgleich aber Conſtances Herz einen Vater tief betrauerte, der ſich ſtets gütig und liebend gegen ſie gezeigt hatte, ſo mußte dennech ihre Vernunft geſtehen, daß ſein Hintritt für die Ueber⸗ lebenden das beſte war, und daher ging die Trauer in einen leichten Schatten über, welcher ſich allmälig, da ſie im Stande war, ihre Lage zu überſehen und Pläne für die Zukunft zu entwerfen, immer mehr und mehr unter dem Einfluß eines friſchen und thätigen Lebens auflöſte.
Sie war mit ihrer Mutter in eine der größten Städte des Reiches gezogen, und es war ihnen hier mittelſt einiger alter Verbindungen gelungen, eine Schule einzurichten, welche eigentlich in allem, was den Unterricht betraf, von Conſtancen geleitet wurde.
Als dieſes beſchwerliche Leben begann— welches ihr Stolz ihr zu einer Ehrenſache machte, der jährlichen Unterſtützung vorzuziehen, die der Conſul Löwe ihrer Mutter angetragen hatte— ſeufzte Conſtance des Ta⸗ ges wohl hundertmal, und ſie lachte bald und bald ver⸗ zweifelte ſie über die Trägheit und Stumpfheit ihrer Ele⸗ ven; doch dann war ſie auch wieder fröhlich, bewegte ſich ſo leicht wie der Vogel in der Luft und ſchrieb Briefe voll überſprudelnder Fröhlichkeit und luſtiger Vorleſungen an Evelyn, welche in ihnen immer ihre theure Con⸗ ſtance zu hören vermeinte.
Dann aber kam eine andere Zeit; ſie hörte nach und nach auf, über die Kinder und über die Beſchwer⸗ lichkeiten der Schule zu klagen, ſie ſtand ihr ſtill und


