„Himmel! Das Tanzen abgelegt, Du, ein neun⸗ zehnjähriges Mädchen? Nein, das geht zu weit! Ich ſage: ich begreife Dich nicht: Du machſt mir wirklich großen Kummer!“
„Hüte Dich, liebe Mutter, daß uns Gott nicht ſtraft, wegen einer ſo leichtſinnigen Aeußerung! Der Tag könnte kommen, da ich Dir noch größeren Kummer mache, als den, daß ich nicht tanze!“
„Ach, mein Kind, Du biſt ſo ſtreng in Deinen Grundſätzen und Aeußerungen! Ich weiß recht gut, daß dieſes im Ganzen eine Kleinigkeit iſt; doch für heute, da ich um deinetwillen ein Feſt angeordnet habe, wäre es keine Kleinigkeit. Es würde mir ſehr ſchmerzhaft ſein, wenn man ſagte: Die arme Frau Waller! Sie hatte nichts für ihre gute Abſicht. Con⸗ ſtance verachtete dieſelbe und zeigte nicht einmal ſo viele Nachgiebigkeit und Achtung gegen ihre Mutter, daß ſie dieſes Gefühl verbarg: ſie machte ſich im Gegentheil eine Ehre daraus, es dadurch zu zeigen, daß ſie nicht tanzte!“
„Sei ruhig, Mutter! Es iſt wahr, daß ich nun⸗ mehr dieſe Art von Vergnügen nicht liebe; doch lieber, als daß ich ein ſolches Beiſpiel von kindlicher Undank⸗ barkeit gebe, will ich tanzen. Ich wünſche, daß Du mir dagegen verſprächeſt, nie wieder etwas dergleichen um meinetwillen anzurichten.“
„Das verſpreche ich gewiß, mein Kind! ich ver⸗ ſpreche alles, was Du willſt, wenn Du Dich jetzt nur wie geſagt, ohne Zeitverluſt anziehſt. Die Uhr iſt ein Viertel auf ſechs, und um ſechs Uhr haben wir die Fremden hier!“


