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„Wir werden ſehen!“
Er ſchwieg einige Augenblicke und ſchien zu überle⸗ gen. Evelyn betrachtete mit Aufmerkſamkeit ſeine geſenk⸗ ten Augenlider, ſeine hohe Stirn, zu deren beiden Seiten das ungewönlich lange ſchwarze Haar in wogenförmigen Locken herabſiel. Ach, ſie war glücklich, ihn nur ſehen zu dürfen!
„Ich fühle das Bedürfniß,“ ſagte er zuletzt,„ſehr offenherzig zu ſein, theuere Evelyn, und von Dir ein eben ſo großes Vertrauen, wie ich es gebe, zurückzufordern. Sage mir— weißt Du, was in dieſen Tagen zwiſchen mir und Deinen Eltern vorgefallen iſt?“
„Nicht das Geringſte,“ antwortete ſie in dem über⸗ zeugenden Tone der Unſchuld. 3
„Was hat Dir denn Deine Mutter geſagt, das den Beſuch rechtfertigen kann, den ſie mir auf Deinen Zim⸗ mern abzuſtatten erlaubt hat, theure Evelyn!“
Jetzt floß eine durchſichtige, verſchämte Röthe über ihre Wangen, und ſo leiſe, daß er die Worte faſt erra⸗ then mußte, liſpelte ſie:„Schon vor mehren Tagen ſagte Mutter zu mir:„Du ſollſt glücklich werden, Evelyn— ſei ruhig, verlaß Dich auf mich!“— und geſtern ſagte ſie:„morgen ſollſt Du ihn ſehen!“
Juſtus war gerührt.„Deine Eltern,“ ſagte er nach einigem Schweigen,„lieben Dich warm, lieben Dich un⸗ ausſprechlich, da ſie die glänzende Verbindung mit dem Baron G— haben fahren laſſen koͤnnen, um ihren einzi⸗ gen, ihren höchſten Schatz einem in jeder Hinſicht ſo un⸗ bedeutenden Manne, wie mir, zu übergeben.“
Indem er dieſe Worte ausſprach, hatte er ſeinen Blick feſt auf Evelyn geheftet. Die Wirkung, welche er berechnet hatte: blieb nicht aus: Evelyn gerieth in das heftigſte Zittern, ihre Wangen liehen bald die Farbe des Lebens und bald die des Todes, und die Bewegung, welche ſie mit der Hand nach dem Herzen machte, zeigte hin⸗ länglich, wie heftig dieſes ſchlug. Zum erſten Male war
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