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Als die Zeit bis gegen ſechs Uhr fortſchritt, ſo ſchob Frau Hedwig das Spinnrad weg, und während Monika auf dem Kamine ein prächtiges Feuer anzündete, ſo daß der Schein bald über das ganze Zimmer flammte, deckte Frau Hedwig ſelbſt den Kaffeetiſch und nahm dann froh und freundlich ihre Arbeit wieder vor.
Das Zimmer, in welchem ſie ſaß, erhielt nun durch die erhöhte Erleuchtung ein faſt lebhaftes Ausſehen. Die ſonſt dunkelgrauen Wände nahmen eine angenehme Röthe an, und die alten Gemälde, theils in Oel gemalt, theils in Tuſche gezeichnet— ſämmtlich Erinnerungen an beſſere Tage— ſahen recht friſch und zierlich aus. Die Möbeln, obgleich an ſich ſelbſt ſo ärmlich wie moͤglich, hatten den⸗ noch einen Anſtrich von Eleganz, weil ihr Ueberzug von alten, ſteifen, ſeidenen Kleidern aus den Zeiten der Groß⸗ mutter ſchwatzte; und wenn man die vortrefflich unterhal⸗ tenen grünen Gewächſe in den Fenſtern, die ſchneeweißen Gardinen und einen überwiegenden Geiſt von Feinheit und Reinlichkeit hinzuaddirte, ſo war dieſes Zimmer wirklich angenehm, beſonders wenn es eine ſolche Beſitzerin um⸗ ſchloß, wie Frau Hedwig, welche mit allen ihren kindiſchen Träumereien— vor welchen ſie ſich geſchämt haben würde, wenn irgend ein Anderer außer Gott und ihr ſelbſt die geringſte Ahnung davon gehabt hätte— eine Frau mit vielem Verſtande war und eine Würde behauptete, die ſelbſt in der Armuth Achtung gebot.
Schon hatte ſich eine Weile in dem inneren Zimmer Bewegung verſpüren laſſen.
Ploͤtzlich flog die Thüre auf, und ein Jüngling, ſchlank und geſchmeidig wie die junge Birke, eilte auf Frau Hed⸗ wig zu, ſchlang ſeine Arme um ihren Hals, und küßte ihre Lippen und Hände mit einem Ausdrucke von unend⸗ licher, liebevoller Kindlichkeit.
„So ſoll es ſein!“ ſagte ſie, ſeine Liebkoſungen ſanft erwiedernd.„Jetzt iſt mein Juſtus ſo wie ich ihn wünſche;


