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Juſtus,“ ſagte Frau Carleborg zu ſich ſelbſt;„wenn er ſich erſt an Koͤrper und Seele vollkommen entwickelt, ſo wird er ſchon ſtark werden! O, wie liebt er mich, mein armer Junge— wie beſorgt iſt er für mich! Wenn er erſt ein Mann iſt und einen geachteten Platz in der Geſellſchaft hat, ſo wird er kommen und ſagen:„Wirf nun das Spinn⸗ rad weg, mein Mütterchen, und laß dich nieder bei einem Sohne, der Dich auf ſeinen Händen tragen will!“... Doch nein: ſo ſagt er gewiß nicht, ſondern:„Nun, liebe Mutter, wollen wir das alte, liebe Spinnrad in eine Ecke ſetzen; nun mag es ſich ausruhen, während Du in Deiner neuen Heimat ausruhſt, Du und die alte Monika!“
Frau Hedwig war nicht gewohnt, ſich eine Betrübniß oder eine Freude zu denken, welche nicht die alte Monika theilte, Monika, deren Spinnrad zwar nicht ganz ſo ſchnell umſchwenkte, wie das ihrer Herrin— denn Monika war ſchon ein gutes Stück Weges in das Alter gekommen — das aber dennoch ſo hurtig flog, wie es je von einer alten Dienerin getreten wurde, die mit brennender Herzens⸗ luſt für Andere arbeitet.
Von dieſen lächelnden Bildern umgeben, ſchwebten Frau Hedwig's Gedanken ab und an und ſuchten irgend einen feſten Wunſch für die Zukunft des Sohnes und die Wahl ſeiner Studien feſtzuhalten.
„Doch nein, es ſoll mir gleich ſein; er mag frei wählen; und hat er erſt einmal ſeinen Entſchuß gefaßt, wie wird er dann arbeiten, um ſein Ziel zu erreichen!“
Das Ziel?— unmsöglich konnte ſie es laſſen, das Fenſter der Einbildung ein wenig zu öffnen.
Bald ſaß der geliebte Sohn als ein Dolmetſcher des Geſetzes vor dem gewaltigen Richtertiſche, bald flog er als ein junger und hurtiger Krieger auf einem feurigen Roſſe vor dem Fenſter vorüber, an welchem ſie ſtand— ach, wie ſchoͤn, wie prächtig war er nicht, wenn er ihr mit dem Säbel ſeinen Gruß zuwinkte— bald wiederum war ſein Vorzimmer von leidenden Kranken belagert, welche


