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ſie und dachte mit himmliſcher Freude an alle ſeligen Tage, mit denen ihr Juſtus ihr vielfach alle ihre Mühe vergelten würde.
Schon vor ungefähr ſechs Jahren, da ihre Soͤhne die Schule in der Stadt beſuchten, hatte Frau Hedwig eine kleine Bank gebildet, ſo daß ſie nachher durch ihre an⸗ haltende Arbeit nicht nur im Stande war, ihren Juſtus dort zu unterhalten, ſondern ſogar alljährlich etwas in die große Sparkaſſe für ſeine akademiſche Reiſe zu legen— eine Epoche, die nach aller Berechnung nach anderthalb Jahren eintreffen mußte. In dieſem Augenblicke waren die beiden Jünglinge— Leonard neunzehn und Juſtus ſechzehn Jahre alt— auf Beſuch zu Hauſe; doch die Ferien waren zu Ende, und eben der heutige Tag zu ihrer Abreiſe beſtimmt.
Während Frau Hedwig das Spinnrad fleißig umher⸗ ſchnurren ließ, eflogen ihre Blicke oft nach der Thür des Zimmers hin, in welchem die Soͤhne ſchliefen.
Bald ſah ſie, wie der freundliche, aber ernſte Stief⸗ ſohn mit ſeinem ruhigen, häßlichen Geſichte ihr entgegen⸗ lächelte, bald ſah ſie, wie die ſchoͤnen, ſeelenvollen Augen ihres Juſtus feurig und ſchalkhaft ihr Herz und ihre Seele durchdrangen, und ſie wurde froh und angenehm bewegt, als ſie ſich erinnerte, wie kindlich der ſechzehnjährige Sohn bisweilen war, wie oft er ihr die Zeit verplauderte, ſo daß ſie nicht wußte, wohin ſie floh. Doch unwillkürlich oͤffneten ſich ihre Lippen zu einem leichten Seufzer, wenn das Gedächtniß ihr auf der andern Seite vor die Seele führte, wie oft dieſe Augen von Thränen feucht geweſen und Betrübniß und bitteres Leiden ausgedrückt hatten. Welches konnte wohl das Leiden dieſes Kindes ſein? Kein anderes, unmöglich irgend ein anderes, als die ſprechende Unruhe, welche ſich ſeiner bisweilen bemächtigte, wenn er alle Aufopferungen und liebesreichen Sorgen der Mutter herzählte.
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