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Ziele, gelobten ſie ſich in ſeliger Freude, ihre Armuth mit einander zu theilen— ihre Herzen theilten ſie längſt mit einander.
Was ſie geweſen war— daran dachte ſie inzwiſchen jetzt ſehr wenig. Sie dachte nur daran, was ſie ward: zum zweiten Male Wittwe und Mutter, die mit großer Verantwortlichkeit belegte Erzieherin zweier Söhne, eines eigenen und eines Stiefſohnes.
An einem kalten Februarmorgen finden wir ſie ſchon wie gewöhnlich an ihrem Platze vor dem Spinnrade. Mit dieſer Ewigkeitsarbeit verſorgte ſie ſich ſelbſt und bezahlte ſie den Unterricht ihres Sohnes. Ihr Stiefſohn hatte von ſeiner Mutter ein eigenes kleines Vermoͤgen, welches hin⸗ reichend war, um mit den Zinſen deſſelben ſeine Erziehung zu beſtreiten.
Während des langen Herbſtes und des noch längeren Winters ſpann Frau Hedwig täglich eine beſtimmte Anzahl kleiner Rollen des feinſten Garnes. Wenn dann aber der Früͤhling kam, ſo bauchte und bleichte ſie ihr Garn und überſchlug mit der reinſten Freude, wie viele Ellen ſie von dem Pfunde erhalten würde; denn die Hauptquelle ihrer Einkünfte beſtand in dem Verkauf der Gewebe, welche ſie während des Sommers zubereitet hatte.
Dieſe Gewebe waren alljährlich ſchon im Voraus beſtellt und bezahlten ſich gut; denn gekannt und geſchätzt, wie Frau Hedwig von Carleborg war, hätte ſie von Vielen Hülfe erhalten können; da jedoch Niemand es wagte, ihr eine ſolche anzutragen, ſo hatte man ſich gewöhnt, auf ihre Arbeit einen hohen Preis zu ſetzen.
Es waren nun ungefähr neun Jahre vergangen, wäh⸗ rend welcher ſie Winter aus und Winter ein auf einem und demſelben Stuhle, vor einem und demſelben Kamine ge⸗ ſeſſen und auf einem und demſelben alten Spinnrade ihre Rollen geſponnen hatte. Sie begann hiemit in dem Jahre, da ſie Wittwe wurde, und noch nie war ihr Muth er⸗ ſchüttert worden. Wenn ihr der Arm erſtarrte, ſo lächelte


