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Schlafbank, auf Betten ſchlummerten, die wenigſtens nicht
dieſe ſchneeige Weiße beſaßen, die ſogar die ärmſte Mutter hervorzubringen vermag.
„Wenn man nichts hat, wovon man etwas machen kann,“ ſagte ſie halblaut, vermuthlich um ſich ſelbſt zu beruhigen,„ſo...“ Sie nickte und ſchien große Nei⸗ gung zum Schlafen zu haben, fuhr aber dennoch fort, ihre Lichte einzutauchen; denn eine höhere Macht als der Schlaf hielt ſie jedes Mal zurück, wenn ſie in Verſuchung kam ſich nieder zu werfen.
Ihr Geſicht war bleich und ſah kränklich aus, und auf den Wangen lag dieſe Art von unangenehmem Schein, welcher von ſtets abgewiſchten Thränen entſteht.
Von einer unſeligen Liebe verleitet hatte Julia ge⸗ ſtrebt, ihr erſtes edles Band zu zerreißen; und als dieſes Streben das erwartete Ziel gefunden hatte, ſo fand auch ſie bald dazzihrige.
Kaum waren einige Wochen in dem Seligkeitsrau⸗ ſche verfloſſen, welcher ſich von dem Tage ihrer zweiten Hochzeit datirte, ſo kam Julia vollkommen und für im⸗ mer zu der bittern Ueberzeugung, daß ſie ſich getäuſcht hatte. Sie hatte nicht mehr mit Rudolf's liebeswarmem und vertrauensvollem Herzen zu thun. 6 3
Matt und gegen alles gleichgültig ſchleppte ſie ihr Leben hin. Von Jahr zu Jahr ſank mit dem Wohlſtande der letzte Schimmer eines edleren Strebens. So ſank auch der Mann von einem eleganten Spekulanten zu einem Wiegler er Profeſſo herab— jetzt ſpekulirte er auf Lecktalg und ließ ſeine Frau Lichte ziehen.
Als nun Julia ſo ſtand und mechaniſch die Stäbe auf und ab bewegte— die Gedanken waren weit weg in entſchwundenen Zeiten— fuhr ſie heftig zuſammen und wollte eben mit dem Lichte hinaus gehen, als die Thur heftig aufgeriſſen wurde und ein hochgewachſener Mann von wildem und finſterem Ausſehen, doch mit einem ſehr
ſthoͤnen Geſichte in das Zimmer trat und den Hut guf 4
den Siſch und den Stock auf das Bett warf. 25
Cardén. Ein Jahr,


