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Ein Jahr : Novelle ; fünf Bändchen / von Emilie Carlén. Aus dem Schwed. von C. F. Frisch
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ein ganzes Jahr verheirathet geweſen iſt, ſo iſt es wohl nicht zu ſpät, den erſten Kuß zu erhalten? Spä⸗ terhin hoffe ich, mir meine täppiſche Blödigkeit abzuge⸗ wöhnen; doch jetzt bin ich noch ſo... ſo...

Ja, Du biſt mir gewiß blöde! flüſterte Lavinia erröthend.Ich hätte, genau gerechnet, Dir in dem ganzen Jahre nicht mehr beſtehen können, als Du jetzt in wenigen Minuten geraubt haſt. Doch ſei nun ernſt⸗ haft, mein Ludwig, und laß es bleiben, mich ſo anzu⸗ ſehen! Ich will es beſtimmt wiſſen, worin dieſe Verbin⸗ dung mit Maria Rehnmann eigentlich beſteht ich will hören, wie du je daran denken konnteſt, Dich mit ihr zu verbinden?

Ich konnte mich mit jedem Mädchen verbinden, wenn ich nur hoffen durfte, daß ſie für meine Kleinen eine gute Mutter werden würde, warum denn nicht mit meiner liebenswürdigen und guten Marie? Du weißt ja, meine theure Lavinia, ich war damals ein unglücklicher Halbblinder, auf den die Wunderſonne der Liebe noch nie ihre geſegneten Strahlen geworfen hatte; als mich aber dieſe zu wärmen begann, da begehrte ich immer mehr und mehr Licht. Ich ſtrebte mich dem Ziele zu nähern, wohin mich alle neuerwachten Gefühle zogen; hätte ich es aber nicht erreicht, ſo wäre ich mein ganzes uübriges Leben hin⸗ durch ein Einſiedler geblieben, denn nachdem ich eine Ahnung von dem Höchſten erhalten hatte, ſo würde ich mich nimmermehr mit dem Geringeren begnügt haben.

Nun das iſt gut; doch das Billet, das Billet! Weißt Du, daß Du wirklich ſehr geſchifkt biſt, Ausflächte, zu

finden?

Laß mich nnerſt Pferde beſtellen! Wir haben ſt. ben Meilen bis Roſenborg ich ſchicke ſogleich einen Vorboten, ſo kommen wir heute Abend hin. Es wäre unendlich herrlich, wenn wir unſre Heimath, unſre ruhige

theure Heimath an unſerm Hochzeitstage ich ſage nie

unſern zweiten Hochzeitstage erreichen könnten

14 Nun ſo beſorge denn das Alles! S

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