358 Gemüthes ſelbſt ſtraft!“ begann er, indem er einen Blick
der größten Zärtlichkeit auf ſie warf, die heute vor einem Jahre ſeine Gattin geworden war.„Ich ſchäme mich
vor mir ſelbſt und vor Dir bei der Erinnerung an den!
wahnſinnigen Beſchluß, welcher an unſrer heutigen gemein⸗ ſchaftlichen Verlegenheit Schuld iſt. Hätte ich bei dieſer Gelegenheit gezeigt, was Du mir ſpäterhin ſo häufig ge⸗ zeigt haſt, nämlich Geduld und Nachſicht, ſo waͤre wahr⸗
ſcheinlich keine ſo lange Zeit hingegangen, bis auf der—
einen Seite die Güte Deines Herzens und auf der andern meine unausgeſetzten Bemühungen den Abſcheu gemindert, welchen Du damals fühlteſt, uns in ein beſſeres und glücklicheres Verhältniß gebracht hätten. Aber wenn ich damals übermüthig oder richtiger unſinnig war, ſo weißt Du ſelbſt, ob ich dafür habe leiden müſſen. Doch, geliebte Lavinia!....“
Der Klang dieſer beiden jetzt zum erſten Male zu⸗
ſammen angewendeter Worte machten auf Ludwig einen f
ſo ſtarken Eindruck, daß alle Verlegenheit, Unruhe und Furcht hinſchwanden wie die Wolken vor einem ſonnen⸗ warmen Winde.
„Geliebte, geliebte Lavinia! welcher Erklärungen be⸗ dürfte es wohl noch nach demjenigen, das Deine eigenen Augen geſehen haben? Du haſt es ſelbſt ſehen können, wie ein neues Leben mich in ein neues Daſein gerufen hat. Ich, der die Liebe nicht kannte, ihre Macht nicht verſtand, konnte heute vor einem Jahre reden wie ein Wahnſinniger; aber welche Kämpfe hat mir nicht dieſer Wahnſinn ſpaͤterhin gekoſtet— tauſende von Kämpfen, angenehme und bittere! Ein Sklave meines gegebenen Wortes und Gelübdes habe ich Dich dennoch nie mit der geringſten Hindeutung meiner Unzufriedenheit, mit keiner
einzigen Hindeutung, unſer unnatürliches Verhältniß zu
brechen, beleidigt. Doch heute, heute, da entwender der Himmel ſeine Thür öffnet oder auch die Hölle, heute bitte ich Dich“— und Ludwig, der ſtolze, ſelbſtfüchtige ehe⸗ malige Egoiſt kniete nieder vor einem Weibe—„da
Du mit kam; l werde mein L flößeſt, mich m Marter der Eif lichen kannſt, einer Eingar E 3 wenn it Hochzem L ſchreibl „ ſetzen, geben, zuleben bliebe.
rakter ein gef wollte.


