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„Heute Abend biſt Du nicht ſo gut wie gewöhnlich,“ ſagte Ludwig, indem er ſeine Heftigkeit zu dämpfen ſuchte.
„Es iſt nicht ſchwer gut zu ſein und Geduld zu zeigen, wenn es nur ein wenig üble Lanne oder ſelbſt eine Ungerechtigkeit gilt, wenn dieſe ſich nur auf etwas beſchränkt, das vorhanden iſt oder wenigſtens den Schein hat, daß es vorhanden ſein kann. Kommt es dagegen bis auf den Punkt, wo Nachgiebigkeit und Gefälligkeit nicht mehr angewendet werden können, ohne Erniedrigung in ihrem Gefolge zu haben, ſo hören ſie auch von ſelbſt auf.*
„Und was folgt dann?“ fragte Ludwig mit einer Stimme, die hörbar zu zittern begann.
„Das iſt mehr, als ich beantworten kann; aber ich halte es für entſchieden, daß Du jedem Weibe Deine Verachtung ſchenken würdeſt, die ihre Ehre für eine ſo gleichgültige Sache hielte, daß ſie dieſelbe an einem Tage rückſichtslos angreifen hören könnte und doch an dem an⸗ dern bereit wäre, eine Beleidigung, ja ich könnte wohl ſagen, ein Verbrechen von ſolcher Beſchaffenheit, zu ver⸗ zeihen und zu vergeſſen.“
„Trotz des Schmerzes, den Deine Worte mir berei⸗ ten, fühle ich gleichwohl eine große Beſriedigung darüber, daß Du die Sache von einem ſo ſtrengen Geſichtspunkt betrachteſt. Wenn Du ſchon den bloßen Verdacht einer Untreue für ein Verbrechen hältſt, mit welchem Abſcheu mußt Du dann nicht die Wirklichkeit ſelbſt betrachten!““
„Abſcheu!“ rief Lavinia aus, und ihre Augen erhiel⸗ ten einen faſt unnatürlichen Glanz.„Ich muß nun den Ausdruck leihen, den Du vor einem Augenblicke anwan⸗
deſt: ich fühle mich nicht friedlich genug geſtimmt, um nich damit zu begnügen, daß ich den Gatten, der mich betröge, nur verabſcheuete— ich würde ihn haſſen, ſg
lange mir noch ein Gefühl übrig iſt.“
„ und mit dieſen Geſinnungen,“ ſagte Ludwig, der
kaum im Stande war, das beſeligende Gefühl zu hehern ſchen, welches Lavinia's ilder Enthuſiasmus ihm ſchenkte
kannſt Du mich dennoch verdammen?“
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