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Grafen um ſechs Uhr in den Pavillon zu ſchaffen, wo dann ihrer Vermuthung nach zwiſchen ihm und Rudolf eine Scene ſtattfinden ſollte, nahm ſie mein Billet und warf es, ohne nur im Mindeſten die Folgen zu bedenken, dem Grafen zu, der eben unter ihrem Fenſter ſpazieren ging.“
„Großer Gott, welche Höhe von Unbedachtſamkeit!“ rief der Rittmeiſter aus, vor Zorn erröthend, bei der bloßen Erinnerung an die Tortur, die dieſer Einfall ihm verurſacht hatte.
„Doch der Graf,“ fuhr Lavinia mit einigem Nach⸗ druck fort,„hatte eine beſſere Meinung von mir als der⸗ jenige, der mich doch hätte beſſer kennen ſollen als er.“
„Ach, wüßteſt, ahnteſt Du, oder wollteſt Du nur verſtehen, wie ich gegen dieſe verdammte Eiferſucht ge⸗ kämpft habe— Lavinia! Du würdeſt das nicht ſo kalt ſagen!“
1„Entſteht nicht die Eiferſucht aus Mißtrauen, Lud⸗ wig? und kann wohl ein Mann, der die geringſte Achtung gegen ſich ſelbſt hat, das Weib hochachten, welches er in Verdacht hat, daß ſie unter ſeinen Augen eine uner⸗ laubte Liebesverbindung unterhält?“
„So tief habe ich mich in die Sache nicht hineinge⸗ dacht,“ entgegnete der Rittmeiſter ſtark erröthend;„deun in dieſem Falle erſuche ich Dich, mir die Ehre zu erzei⸗ gen und zu glauben, daß ich mich nicht ſo außerordentlich friedlich benommen haben würde, als ich gethan habe.
„Wenn Du das außerordentlich friedlich nennſt, daß Du Deine Frau erſt durch eine Menge von Hindeutungen
eleidigſt, die ſie aber glücklicher Weiſe nicht begreift,
dann aber ſogar zu der Drohung ſchreiteſt, die Thüren
azuſchlagen und das ganze Haus herbei zu rufen um auge des Skandals zu ſein, den ſie geſtiftet hat— dann eihlichen
kann ich wahrhaftig Gott danken, daß ich noch nicht Ge⸗
genheit gehabt habe, Dich zu ſehen, wenn Du weniger ſ(dlich handelſt.“ 3


