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Ein Jahr : Novelle ; fünf Bändchen / von Emilie Carlén. Aus dem Schwed. von C. F. Frisch
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überzeugt, als ſie ſah, wie ſich die friſche Röthe auf der Wange ihres Gatten in eine Art von Farbe verwandelte, die weder blau, noch weiß, noch gelb war, aber doch etwas von allen dieſen Farben enthielt, und als ſie fer⸗ ner eine Art von Tönen hörte, welche das heſtige Zittern der Stimme anfangs unverſtändlich machte, die ſich aber allmählig in Worte, kurze, leiſe, beſtimmte Worte ver⸗ wandelten, die folgender Maßen lauteten:

„Sei ruhig, ich werde nie wieder von meinem Cha⸗ rakter abgehen!“

Lavinia erblaßte. Sie fühlte, wenn jetzt nichts da⸗ zwiſchen käme, wenn er ſie unter dem Einfluſſe ſeiner jetzigen Gemüthsſtimmung in ſeinem Hauſe einführte(und dieſes begann ſchon ſichtbar zu werden), daß dieſe Ge⸗ müthsſtimmung dann anhaltend werden und ſich' ielleicht nie mildern laſſen würde.

Aber was wollte ſie jetzt wohl ſagen, wie ſollte ſie ſich gegen dieſen Mann am beſten benehmen, den ſie eben noch gegen ſeinen Ruf vertheidigt hatte, der doch im Ganzen genommen vielleicht nicht ganz grundlos war? Sollte ſie verſuchen, den Gegenſtand fallen zu laſſen? Sollte ſie bekennen, daß ſie etwas geſagt hätte, das nicht ganz recht war? Oder ſollte ſie ſich bange, unruhig, traurig zeigen, wie ſie wirklich war?

Sie verwarf Alles.

Das Erſte würde ihr einen Anſtrich von Leichtſinn geben, welcher ihrem Charakter fremd war; das Zweite könnte leicht zu Erklärungen führen, die auf keine Weiſe wunſchenswerth wären, und das Dritte würde ihm viel⸗ leicht ein allzu beſtimmtes Uebergewicht ſchenken.

Sie bemühte ſich daher vor allen Dingen die Faſ⸗ ſung zu behalten, und nach einigen Augenblicten, eha ſie ihrer Stimme gewiß war, ſagte ſie in einem Tone, wel⸗ her ihr tiefes Vermögen, die große Wichtigkeit von der

rechten Anwendung der Stimnie aufzuſaſſen und anzu⸗ wenden, erkennen ließ(ihre Stimme war zu gleicher Zeit ſanft, achtungsvoll, feſt und klar mit dem allerleichteſten