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„Ich habe gethan was ich konnte und meine Pflicht heiſchte!“ ſagte die Tante mit Reſignation, als ſie wieder wohlbehalten zu Hauſe in ihrem großen Lehnſtuhl ſaß. „Jetzt mag ſie heirathen oder auch in der gewöhnlichen Einſamkeit leben!“
Doch Lavinia that keines von beiden: ſie heirathete nicht, lebte aber auch nicht mehr in der alten Einſamkeit. Sie hatte ſich nun einen Einfluß bei der alten Tante er⸗ worben, deſſen ſie ſich ſtets mit vieler Klugheit, dabei aber mit der achtungsvollſten Zärtlichkeit bediente, um es ſo zu bekommen, wie ſie es haben wollte. Sie ging jetzt oft in Geſellſchaften, vermochte die Tante bisweilen, einige Perſonen bei ſich einzuladen, und ſo wurde es nach und nach lebhafter in dem„Grabe“ der Tante Schönberg, wie man das Haus überall nannte. 3
Als der Winter kam, ſo fanden ſich auch neue Freiet ein; denn die Reichthümer der alten Tante wurden ſchotte allgemein zu Lavinia's häuslichen Tugenden hinzu additte doch Lavinia bedachte ſich und verwarf ſo lange, daß bit ganze Stadt ſchon wiſſen wollte, ſie würde zuletzt heh ganz ohne Mann bleiben.
So ſtanden die Sachen, als Frau Schaͤnberg an einem Nachmittage den gewöhnlichen Beſuch von ihrem Doctor erhielt, welcher aus Dankbarkeit für die reichliche jährliche Abgabe, die ſie ihm beſtand, ihr regelmäßig dreimal in der Woche die Aufwartung machte— nicht um Necepte zu ſchreiben, denn die alte Dame war faſt nie krank, ſondern um ihr die kleinen Neuigkeiten mitzu⸗ theilen, die es etwa in der Stadt geben konnte.
Diesmal wußte der Doctor zu erzählen, daß er in einer großen Verlegenheit wäre, aus welcher ihn kein Menſch befreien wollte. Er hatte nämlich einen Brief von einem jungen Edelmanne erhalten, welcher wegen der geſunden Seeluſt in die Stadt ziehen zullte. Da aber ſeine Geſundheit gar ſehr angegriffen und ſeine Laune⸗


