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ren. Man kann ohne Liebe heirathen; aber man darf nicht heirathen, wenn man ſchon vorher überzeugt iſt, daß man unglücklich werden wird. Das Weib, welches dieſes glaubt, welches die zärtlicheren Gefühle ihres Gat⸗ Wten nicht zu gewinnen wünſcht und ſtrebt, ſondern im Gegentheil die Möglichkeit derſelben fürchtet, ſie hat, als ſie ihm vor Get delobte, Glück und Unglück mit ün zu theilen, ſowohl ihn als auch die Hungfin der Ehe ſo grauſam ver höhnt, daß er unmöglich dazu ſchwei⸗ gen kann, dafern er nicht das Letzte und Einzige verlleden will, das ihm noch bleibt, nämlic ch die Achtung gegen ſich ſelbſt!“ Er ging in ſtarker Gemüthsbewegung auf und ab, „blieb aber zuletzt vor Lavinia ſtehen, die mit erſchrocke⸗ ner Verwirrung die Worte hervorbrachte:„Ich verſtehe Deine Andeutung ni icht!“ „Sie iſt leicht zu verſtehen. Wir wollen Scheidung nachſuchen.“ „Das kann Dein Ernſt nicht ſein.“ „Ja, bei dem lebendigen Gott! der Gegenſtand mag wohl ungewöhnlich genug ſein, um ihn an dem Hochzeit⸗ abende zu verhandeln; doch das bedeutet nichts. Morgen
reiſe ich allein; Roſenborg iſt ſchon Zeuge einer un⸗ glücklichen Ehe geweſen. O, ich war ein Narr, als ich glaubte, ich könnte dort das Glück einführen! Lavinia!“ rief er mit tiefer, bitterer, harmvoller Betrübniß aus, „Du haſt mich tödtlich beleidigt— wir müſſen uns trennen!“
„Du wi illſt mich alſo entehren!“ rief Lavinia aus,
welche durch die Angſt und die Scham vor einem ſolchen, wenige Stunden nach der Trauung beſchloſſenen Schritt ihre ganze Kraft wieder erhielt.„Du willſt uns Beide entehren!“
„Es iſt nicht meine Schuld, daß ich muß. Ich hegte n meiner Seele einen brennenden Wunſch, gluck⸗ lich zu werden, und glaubte, daß die Verluſte, welche wir Beide erlitten haben, uns einander nahern ſollten


