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Räthſel, die kein Menſch löſen kann. Einen Grund von Bedentung hat dieſe Veränderung ganz gewiß gehabt.“
Du haſt natürlich wohl von einem vertraulichen Ge⸗ ſpräche gehört, das kurz vor ſeinem Tode zwiſchen ihnen Statt gefunden haben ſoll?“
„Still!... ſch!“
Die Thüre ging auf, und an dem Arm ihres Bru⸗ ders trat Lavinia mit feſten Schritten auf die Tabourete zu, vor welchen Ludwig ihr von einer andern Seite ent⸗ gegen kam.
Sie war jetzt nicht ſo blaß wie zuerſt. Die Reiſe und die letzte Anſtrengung eines feſten Willens hatten ihr
nicht nur die entflohene Lebensfarbe wieder gegeben, ſon⸗
dern ſogar auch ein Paar feine Roſen, welche ihre Schön⸗ heit bis zur Vollendung erhoben.
Die hohe, wohlgebildete Geſtalt des Rittmeiſters war prächtig an der Seite der ſchlanken Braut; ſeine ſchwar⸗ zen Locken ertheilten ſeinem dunklen, faſt bronzfarbigen Antlitze einen noch ſchärferen Schatten; und als jetzt ſeine Augen ſich zu Lavinia erhoben, ſo lag in ihnen ein ſo
larer Blick von heiligem, treufeſtem Vertrauen, daß die
Roſen auf ihren Wangen ſich immer mehr purpurten, während das Zittern in den feinen Gliedern ſtets zunahm. Auch ſie erhob nun ihre Augen zu ihm; doch in den dunkelblauen Spiegeln zeichnete ſich ein ſichtbares Miren ab, das ſich weit ſchied von der Offenheit in den Biiffen,
in welchen ſie ſich eben geſpiegelt hatte. Ihre Stimme,
un nuch ſchwach, war dennoch feſt, als ſie ihr Gelübde usſprach.
und nun war die Ceremonie beendigt; die Neuvermähl⸗ ten empfingen die Glückwünſche der Gäſte.
Man ging zum Mittagstiſche.
Die Mahlzeit war nicht angenehm. Tyaſte und Re⸗ den fehlten nicht, aber Niemand war im Stande, in den Wein und in die Worte einen Tropfen Leben zu gießen.
Seder wünſchte, daß es nur zu Ende wäre, daß es Abend
tre, und daß man wiederum zu Hauſe bei ſich wäre, um


