Wie oft hatte ſie nicht den Wunſch geaͤußert, daß ſie ſterben möchte, während ſie noch ſo geliebt war! Sie konnte es: ſie durfte in ſeinen Armen ſterben, ſie durfte, wie ſie glaubte, mit ihm ſterben:— ihr blieb kein Wunſch mehr übrig.
Das Leben hatte ihr Alles gegeben, die Liebe Alles, der Tod Alles.
Und jetzt ſchlummerte Elvira in dem Grabe ihrer Väter, und an ihrer Seite das Kind ihrer Liebe: es
hatte ſie nur wenige Monate überlebt..... Und nachdem dieſes alles geſchehen, nachdem die eine Hoffnung nach der andern in die Erde geſenkt war, da ſank auch die alte Eiche, die ſiebzig Jahre lang treu und feſt mit Helgenäs verwachſen geweſen war.
Vielleicht war aber doch nicht der Verluſt ſeiner jungen, ſo hoch geliebten Gebieterin die Trauer, welche am tiefſten an dem Herzen des alten Ignelius nagte.... Die Binde des Aberglaubens, welche die Augen des Greiſes ſo feſt geſchloſſen gehalten hatte, war unbarm⸗ herzig hinweggeriſſen worden: die geraubten Kirchenſteine, die ihm ſo manchen kummervollen Augenblick bereitet hatten, waren zwar zur Ruhe gekommen; war es aber darum beſſer geworden, hatte je eine vollſtändigere Auflöſung alles Glückes ſtatt gefunden, als jetzt einge⸗ troffen war?— die letzte Tochter des alten Hauſes ging dahin— der erſte Zweig des neuen folgte ihr! Was blieb ihm noch übrig, da ihm ſogar ſein alter, theurer, kindlicher Glaube geraubt war? Nichts— nichts, außer der Hoffnung, dorthin zu kommen, wo jedes Räthſel geloͤſ't werden ſollte.
Zufrieden legte der alte Ignelius ſein Haupt zur Ruhe; und ſein letztes Gebet auf Erden war, daß er nicht noͤthig haben möͤchte, lange auf ſeinen geliebten Herrn zu warten.
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