Und auch dieſem Tage folgte ein Abend, ein Abend mit Vernunft, mit Gedanken, mit klaren werdenden Be⸗ griffen.
Wie fürchterlich iſt nicht bisweilen dieſe Rückkehr von dem Scheintode und der Erſtarrung in das Leben und die Wirklichkeit, dieſes allmälig immer klarer werdende Licht, das alle dunklen Punkte beleuchtet, verändert und endlich den wohlthätigen Schleier hinwegreißt, der unſer Elend unſern Blicken entzogen hat!
Dieſer Schleier war von den Augen des jungen ſchiffbrüchigen Seemannes gefallen.
Noch vor wenigen Tagen war er ſo reich, daß er ſeine Schätze für unermeßlich hielt. Damals wiegte er noch auf ſeinem ſchönen Schiffe nach Hauſe von Reiſen, die ihm Gewinn und Segen gebracht hatten. Und war es nicht groß dieſes Glück? Erwartete ihn nicht eine Gattin, die er anbetete, und von welcher er angebetet wurde? Erwartete ihn nicht das Lächeln ſeines Kindes und die Umarmung ſeines Vaters? Erwartete ihn nicht als Herrn ſein Helgenäs, dieſes Helgenäs, das ihm die Liebe geraubt, das ihm die Liebe wiedergeſchenkt hatte?
O, er war gewiß reich und glücklich!
Und nur ein ſo kleiner Theil des langen Weges war noch übrig, um das Ziel zu erreichen!
Dieſer kurze Weg aber war hinreichend geweſen, ihm alles, Gattin, Schiff, Glück, Ruhe, zu rauben. Vierzehn tüchtige, kraftvolle Seeleute waren mit Elvira Cornelia untergegangen— die Thränen von fünf Wittwen und fünf Waiſen ſollten auf ſeinem Herzen brennen!
Nein, dieſes Erwachen war nicht gut. Der Tod wäre dagegen eine Wolluſt geweſen!
Er wollte ſeiner Elvira, ſeiner treuen Schiffsmann⸗ ſchaft folgen— doch dort beugte ſich über ſein Bett ein Haupt mit ſchneeweißen Locken herab, dort betrachtete ihn ein Augenpaar, das eine Sprache redete, welcher er nicht widerſtehen konnte.
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