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„Ich, mein Geliebter!“ antwortete ſie mit dem ſichern und reinen Ausdrucke der Unſchuld.„Ich bin unruhig, weil Du nicht kommſt!“
„Und warum denn?“ fragte er rauh, faſt hart.
„Guter Richard! laß mich ein— mich friert hier draußen.“
„Er öͤffnete die Thür zur Hälfte.„Geh und lege Dich, Leopoldine!“ ſagte er ernſthaft.„Morgen ſollſt Du von mir hören: dieſe Nacht will ich allein ſein.“
„O nein, ich beſchwöre Dich, jage mich nicht weg! Du haſt etwas auf Deinem Herzen— theile Deinen Kummer mit mir, mein theurer Richard, ich bitte Dich!“
„Dieſe Worte ſchienen ihn faſt in Wuth zu verſetzen. „Geh, Unglückliche, Unwürdige!“ rief er heftig und ſchlug die Thür zu.
„Ich glaubte, ich würde Leopoldinen bei dieſer harten Anrede zu Boden ſinken ſehen; aber ich hörte ſie ſtatt deſſen mit feſter Stimme, mit einer Stimme, die zu glei⸗ cher Zeit beleidigten Stolz und herzzerreißenden Schmerz ausdrückte, ſagen:„So lebe denn wohl, Richard! Dieſes Wort ſollſt Du bereuen!“
„Der Ton, die Wahrheit, die in dieſen Worten lag, muß ihn ſogleich mit Reue geſchlagen haben, denn er öff⸗ nete die Thuͤr von Neuem:„Komm zuruück, Leopoldine! komm! ich will Dich hören!“
„Doch Leopoldine kam nicht. Sie war verletzt in dem feinſten und heiligſten Gefühle ihres Herzens.
„Noch einmal rief er mit athemloſer Stimme: „Komm, Leopoldine, und ich will es als ein Zeichen Deiner Unſchuld betrachten!“
„Morgen,“ entgegnete ſie faſt eben ſo erregt,„wollen wir uns erklären!“ Und ſie eilte hinweg.
„Auf Richard muß dieſer Abſchlag nur einen Ein⸗ druck gemacht haben: er brachte ſeine gefaßte Ueberzeugung zu voller Gewißheit; er ſah in ihr ein Weib, das noch Achtung genug vor der Wahrheit hatte, und daher nicht


