immer heißer, und ich war nahe daran, mit meinen Lip⸗ pen die kleinen Finger zu berühren, als die Thür plöͤtzlich aufging und eine junge Frau, die zu Leopoldinens näch⸗ ſten Umgangsfreundinnen gehoͤrte, nebſt Henrika eintrat.
„Ich bin faſt überzeugt, daß mein Geſicht in dieſem Augenblicke verrathen haben muß, wie überraſcht ich mich fühlte. Natürlich ſuchte ich meine ganze Selbſtbeherr⸗ ſchung wieder anzunehmen, fühlte jedoch die Unruhe und verdammte Qual eines Verbrechers, als ich die gezwun⸗ gene Miſchung von Stolz, Herablaſſung und Verdruß be⸗ merkte, womit die junge Frau B. Leopoldine grüßte, welche unglücklicher Weiſe ihre Arbeit mit der größten Eilfertigkeit in das Käſtchen warf. Und ſo wurde denn dieſe kleine Arbeit, von welcher ſie viele Freude erwartet hatte, jetzt eine neue Waffe gegen ſie.
„Die Verneigung der Frau B. vor mir war hoch⸗ müthig und kalt zugleich.
„Mit ſatyriſcher Fröhlichkeit ſagte ſie zu Leopoldine: „Was war das für ein kleines Geheimniß, welches Du dem Herrn Baron von U.. zeigteſt und uns verbirgſt? Weißt Du, das kann Verdacht erwecken— Nota bene bei dem, der argwöhniſch iſt!“
„Du haſt es ja ſelbſt ein Geheimniß genannt,“ ent⸗ gegnete Leopoloine lächelnd,„Du verſtehſt wohl, daß man ein Geheimniß nicht in die dritte Hand kommen läßt.“
„Ich ſah, daß Frau B. und Henrika bei dieſen Wor⸗
ten einen Blick wechſelten, den ich gar leicht zu deuten
verſtand.
„Und als hätte die werthe Frau nach der Entdeckung, die ſie jetzt gemacht zu haben ſich einbildete, es faſt fuͤr unpaſſend gehalten, ſich noch länger bei Leopoldinen auf⸗ zuhalten, nahm ſie bald Abſchied; und da dieſe mit ihrer gewöhnlichen Freundlichkeit ſie erſuchte, recht bald wieder zu kommen, ſo ſagte ſie, daß ſie eine längere Zeit allzu beſchaftigt wäre, als daß ſie Leopoldinens„äußerſt ſchmei⸗ chelhaften“ Wunſch erfüllen könnte.
„Jetz wo Leopol fallen war erwies ihr ſo abgemet Leopoldiner blicken beg⸗ kam ihr g ellſchaft ſ
„Wie als die Ur ſten Weibe


