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„Ich verſtehe nicht,“ ſagte Leopoldine,„welcher böſe Geiſt in Henrika gefahren iſt. Zwar iſt ſie mir noch nie ſehr gewogen geweſen, doch nun wird ſie wirklich unaus⸗ ſtehlich!“
„Mir begann ein Licht aufzugehen. Obgleich ich mich keiner einzigen Gelegenheit erinnern konnte, da ich in Hen⸗ rika's Gegenwart die ſtrenge Wache über meine Gefühle und Geſichtszüge verſäumt hatte, ſo konnte dennoch ihre zweideutige Anſpielung nur auf eine Art verſtanden wer⸗ den. Ich zitterte, ich fühlte, daß ich erblaßte; ich ſtellte mich, als hätte ich Leopoldinens Aeußerung nicht ge⸗ hört. 3 „Ich ſehe,“ fuhr ſie fort,„daß Du eben ſo boͤſe biſt, wie Richard. Doch denke nicht an die arme Närrin! Sie will mir wohl ſchaden— doch bei wem ſollte ihr das gelingen?“
„Ich zitterte noch mehr bei dieſen Worten, welche die hoͤchſte Zuverſicht, die glücklichſte, eingeſchläferte Sicher⸗ heit anzeigten.
„So ſitze doch nicht da, als wäreſt Du in eine Mumie verwandelt worden, ſondern ſuche uns lieber durch etwas Froͤhlichkeit zu erfriſchen!“
„Die Abſcheuliche!“ rief ich unfreiwillig aus, und in meinem Ton muß etwas mehr, als bloßer Verdruß, gele⸗ gen haben.
„O, Du biſt zu heftig!“ ſagte Leopoldine.„Laß uns Alles vergeſſen...Sieh hier! wie gefällt Dir dieſes?2 Sie nahm aus einem verborgenen Fache ihres Nähkäſt⸗ chens eine kleine nette Arbeit, welche ſie zu einem Namens⸗ geſchenke für Richard beſtimmt hatte.„Setze Dich hieher, und betrachte— ich darf es nicht aus den Händen laſſen, denn mein Herr und Gemahl koͤnnte kommen.“
„Ich zog meinen Stuhl dem ihrigen näher; ich beugte mein Haupt über ihre Hand und betrachtete, nicht die Arbeit, ſondern dieſes entzückende Händchen mit Blicken, die ſie gleichwohl nicht ſehen konnte. Mein Athem wurde


