Teil eines Werkes 
11.-15. Bändchen (1846)
Entstehung
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„Ich vollendete nie dieſen Satz.

„Ueber die duftenden Haine von Sorgenfrei hatte die ſinkende Sonne die Schleppe ihres goldenen Abendgewan⸗ des geworfen. Das kleine weiße Haus mit ſeinen Sy⸗ ringenhecken, ſeinen grünen Jalouſien und ſeinem kleinen paradieſiſch ſchönen Garten, in welchem ſich zwei Bäche trafen und umarmten, ſtand da gleich einer geſchmückten Braut, umgeben von Roſen.

„Ich war in einiger Entfernung von dem Hofe abge⸗ ſtiegen: es lag über dieſem kleinen Eden, wenigſtens für mich, ein Heiligenſchimmer, der es mir unmsglich machte, mich in dem Geräuſch erregenden Wagen zu nähern.

„Langſam, mit Schritten, die ſo unſicher waren, daß ich vor meiner eigenen Schwäche zurückbebte, trat ich durch das grün angeſtrichene Thor. Doch welch ein Ge⸗ fühl ergriff mich, als ich im Schatten der großen Linde, die ihre Zweige über den Eingang breitete, ein kleines Mädchen, einen kleinen Engel mit hellen Locken erblickte, deren ſchöne Züge allzu deutlich verkündigten, weſſen Blut ſie war. Sie tummelte im Graſe mit Richard's großem Hunde, dem alten Caſtor, umher, welcher mich ſogleich erkannte und mit gewaltigen Liebkoſungen empfing.

„In dieſem Augenblicke zeigte ſich Leopoldine ſelbſt auf der Treppe.

„O, meine Vernunft, mein Kopf, mein armes Herz! Dieſes Weib, das ſich früh verheirathet, hatte erſt jetzt die hoͤchſte Reife ihrer Schönheit erreicht.

„Mit gewaltſamer Anſtrengung ſuchte ich Ruhe und eine mäßige Freude auf meine Geſichtszüge hervorzuzwin⸗ gen. Wäre Richard in dieſem Augenblicke zugegen ge⸗ weſen, ſo würde wahrſcheinlich dieſe Minute des Wieder⸗ ſehens ihm die Augen geoͤffnet haben. Doch er war nicht zu Hauſe.

„Leopoldine eilte mir entgegen. Und indem ſie mir ihre weiße, weiche Hand reichte, rief ſie lächelnd aus: „Wie Du Dich verändert haſt, Wilhelm! Soll ich Dir