um den kleinen Widerwillen zu uͤberwinden, welchen ich ihrer Meinung nach gegen ſie gefaßt hatte, weil ſie mir den erſten Raum in Richard's Herzen geraubt hatte. Ich ließ ihr dieſen Glauben. Denn meine Seele fühlte eine hölliſche Seligkeit, wenn ſie mit der unſchuldigſten Coquet⸗ terie meine Aufmerkſamkeit auf ſich zu ziehen ſuchte und mehr denn einmal in ſpielendem Trotze zu ihrem Gatten ſagte:„So ſtolz Wilhelm auch immer iſt, ſo ſollſt Du dennoch ſehen, Richard, daß ich Dich am Ende aus⸗ ſteche!“
„So weit aber kam es nie.
„Je ſchuldiger ich mich gegen Richard fühlte, um ſo mehr liebte ich ihn. Das war ſonderbar! Ich empfand eine Miſchung von Haß, von Abſcheu, von Eiſerſucht— und dennoch wurde ich mehr denn je zu meinem Freunde hingezogen. Richard's Geſellſchaft that mir weh, peinigte mich auf das Aeußerſte, und dennoch ſuchte ich ſie mit einem Eifer, als könnte nur ſeine Gegenwart mich vor den verbrecheriſchen Gefühlen ſchützen, welche mir zu ver⸗ bergen unmöglich ſchienen, wenn ich ihn nicht vor mir hatte. „Zwei Moͤnate lebte ich in dieſem Fegfeuer. Jeder neue Tag ſchenkte meiner Leidenſchaft einen glücklichen Augenblick— ich dar ja ihr nahe— ließ aber zugleich
meinem edleren Gefdule das ganze qualvolle Erbeben empfinden, welches in ſuͤndhaften Gedanken liegt. Endlich Naber mahnte mich der Ueberreſt meiner Kraft zur Verthei⸗ digung gegen den Verſucher, zum Siege über mich ſelbſt und ſch erhielt den Sieg nach einem hartnäckigen Kampfe. „Ich beſchloß nach Helgenäs zurückzukehren. „In der freundlichen„Alltags⸗Stube“— ein neit geordnetes Zimmer, wo Leopoldinens reiner, hausmütten⸗ licher Geiſt ſich über jeden Gegenſtand verbreitet hatte von dem weichen Eckſopha, vor welchem ihr Nähtiſch ſtand, bis zu den Blumen im Fenſter und den Vögeln in
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