28
müſſen, die Glocken Seiner Liebe zu Anna frevelhaft verſtimmt zu haben.“
Raſch verließ ſie den Saal. Doctor Stoll kannte nun das, was das Herz dieſer edlen fürſtlichen Jung⸗ frau ſo tief berührt hatte. Er ſelbſt war ein zu recht⸗ ſchaffener Charakter, um eine Schmeichelei ſeiner Eigen⸗ liebe in dem Bewußtſein finden zu können, der Gegenſtand ihrer Neigung geweſen zu ſein, im Gegentheile gelobte er ſich, was an ihm ſei, nicht zu unterlaſſen, um die Enttäuſchung, die ihr ſo viel Weh gebracht, ihr leicht und vergeſſen zu machen.
Welches edle Gemüth gehörte dazu, um, wie Prinzeß Amalie es that, Anna, die gleich einem ſchwer verdun⸗ kelnden Schatten in den Sonnenſchein ihrer Neigung zu ihm getreten war, gütig zu ſich heranzuziehen! Nur ein durch und durch edles Frauenherz konnte ſo han⸗ deln. Sie ſelbſt erkannte ſich als die Urheberin ihres Irrthums, ſie zieh nicht ihn, nicht Anna der Zerſtörung deſſelben, und dieſe ſeltene Denkungsart zeugte von einer Erhabenheit der Geſinnung, die ihn mit tiefer Hochachtung für ſie erfüllte. Er ſelbſt hatte ſich keines Fehls gegen ſie zu zeihen und dies gab ihm den Muth, ihrem Wunſche, ihr ein Freund zu bleiben, nach beſten Kräften zu entſprechen.
Was ſeine Bitte an die Fürſtin hinſichtlich eines


