Teil eines Werkes 
5. Bd. (1868)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ige

27

Gewiß iſt es eine traurige Täuſchung, ſtimmte die Prinzeß bei und fügte nach einem kurzen Zögern hinzu: Aber noch beklagenswerther iſt die Enttäuſchung für die, welche zur Entſagung durch ihren Stand gezwun⸗ gen werden. Er hat meiner Schweſter und mir einmal die Liebe oder vielmehr das Weſen der Liebe geſchildert. Er ſprach von zuſammenſtimmenden Glocken, weiß Er das noch?

Ja, Prinzeß, ich entſinne mich deſſen.

Fürſtentöchter dürfen auf ſolche Harmonie nur ſelten hoffen. Die meiſten ſind dazu verurtheilt, in ihren Herzen das Todtenglöcklein von Hoffnungen und Träumen zu tragen, die unerfüllt bleiben müſſen, weil die Standes⸗ unterſchiede eiſerne Schranken ihnen gezogen haben. Sprechen wir nicht davon. Er weiß nun, warum ich ſo gern vor dieſem Bilde weile. Dies Lächeln auf den Lippen der nun lange verklärten Königin iſt auch für mich eine Lehre und man muß ſich an ſolcher Lehre kräftigen.

Prinzeß! rief der Hofmedicus.

Pſt! Ruhig davon! Irrthümer in ſich tragen iſt verzeihlich, unverzeihlich aber würde es ſein, wenn nach gelöſtem Irrthum keine Erhebung folgen könnte. Bleibe Er mein Freund, ich wünſche nichts weiter. Den Wunſch darf Er erfüllen, ohne ſich den Vorwurf machen zu