Teil eines Werkes 
5. Bd. (1868)
Entstehung
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Ganzen ſehr beſcheidenen Anforderungen an Annehm⸗ lichkeiten. Sie fühlten ſich fremd unter Fremden. Prin⸗ zeß Amalie, ſonſt ſo ruhig in all ihrem Thun, zeigte eine unverkennbare Niedergedrücktheit, die zu enträthſeln auch ihrer gnädigſten Mama nicht gelang. Vergebens hatte der Hofmedicus ſich Mühe gegeben, das von der Prinzeß verhüllte Weh zu erkennen, eines Tages aber gewann er doch einen Einblick in das Herz der fürſt⸗ lichen Jungfrau, deſſen Ergebniß er indeß verſchweigen zu müſſen für Pflicht gegen ſie ſelbſt erachtete.

Uebles Wetter machte Spaziergänge im Freien unmöglich. Die Prinzeſſin wandelte allein durch die beiden großen Säle des weitläufigen Dompropſtei⸗ gebäudes, deren Wände mit einer Collection alter Bilder, meiſt Darſtellungen aus der brandenburgiſchen Fürſten⸗ geſchichte, geſchmückt waren. Sie blieb oft vor einem derſelben ſtehen, welches die Königin Sophie Charlotte von Hannover, die den Hof ihres Gemahls, Friedrich's, des erſten preußiſchen Königs, zu einem Hort der Wiſ⸗ ſenſchaften und Künſte und der Grazien des geſelligen Lebens verwandelt hatte, darſtellte, wie ſie nach voll⸗ zogener Krönung die zu ihrer Beglückwünſchung erſchei⸗ nenden Damen der hohen preußiſchen Ariſtokratie und der höchſten Staatsbeamten empfängt.

Neben einem mit reicher Goldbrokatdecke verhüllten