Teil eines Werkes 
4. Bd. (1868)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2*σ

183

gebannt und ein trauriges Düſter dafür eingetauſcht, und doch war in ihrem Herzen die Liebe nicht geſtor⸗ ben, nur begraben unter ſchweren Wolkenſchatten. Jetzt, nach der Löſung dieſes Bannes, ſah ſie, die Binde war von ihren geiſtigen Augen gefallen; eine Wieder⸗ geburt des Glückes hatte ſich in ihr vollzogen, und wie im Lenz die Knospen ſpringen unter dem Kuß der wachſenden Sonne, ſo ſprangen auch alle bisher ſo traurig im Schatten des ſich ſelbſt zugefügten Unglücks dem Verkümmern verfallenen Blüten ihres Herzens aufs neue.

Aber wie in aller Welt, Anna, konnte Sie es über ſich gewinnen, auch gegen mich ein Geheimniß aus Ihrem Wahne ſeiner Untreue zu machen? fragte die durch Prinzeß Amalie von Allem unterrichtete Für⸗ ſtin vorwurfsvoll.

O meine gütigſte, gnädigſte Frau, wie ſoll ich das beantworten! rief Anna.Das war die thörichte Selbſtüberhebung, die mich ſo ganz gefangen hielt, daß ich nicht von ihr loskonnte. Ich wandelte in Nacht, das war traurig, und ich habe es ſchwer gebüßt, ſehr ſchwer. Ich war die Sünderin an ihm, er der Tugendhafte, Sündenloſe. Das iſt das Verkehrte, was aus der Selbſtverkennung hervorgeht. Und was wie tauſend Centner auf mir lag, war der gottloſe Haß, den ich

õÿõ